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Stéphane Etrillard

Schon ein Blick in die Stellenanzeigen zeigt: Persönlichkeit und soziale Kompetenzen sind für die Karriere von allergrößter Bedeutung. Mehr als 15.000 Menschen haben in den vergangenen 15 Jahren, die ich nun als Trainer und Coach arbeite, meine Seminare besucht oder bei mir ein Einzelcoaching absolviert. Nahezu alle Teilnehmer können auf eine solide Schulbildung verweisen, viele davon haben einen höheren Schulabschluss und gehören somit zur sogenannten Bildungselite. Dabei konnte ich eine interessante Erfahrung machen: Ein fundiertes Schulwissen gibt zwar einen gewissen Rückhalt und stärkt auch das Selbstvertrauen, allerdings nur bis zu einem gewissen Grad. Oft sind es gerade diejenigen mit einer guten Schulbildung, denen bei oder nach ihrem Eintritt ins Berufsleben die Grenzen der eigenen Fähigkeiten bewusst werden.

von Stéphane Etrillard, www.etrillard.com

In der Welt draußen braucht es Mut und es werden plötzlich auch andere Kenntnisse und Kompetenzen erwartet, als zuvor in der Schule vermittelt wurden. Daher stoßen sich dann auch die ehemals fleißigsten und begabtesten Schüler mit einem überdurchschnittlichen Notendurchschnitt an den Hürden der Realität. Ein guter Schulabschluss auch einer höheren Schule ist längst kein Garant mehr für den persönlichen Erfolg – und vermutlich war er das noch nie.

Unser heutiges Schulsystem ist mehrfach und nicht erst seit dem berühmten Pisa-Schock unter Beschuss geraten. Auch wenn wir uns insgesamt in einer komfortablen Situation befinden, sind viele Kritikpunkte völlig berechtigt. Denn natürlich kommen bessere schulische Leistungen den Arbeitsgebern ebenso wie den Berufstätigen selbst zugute. Im Fokus der allgemeinen Aufmerksamkeit stehen vor allem die Lese-, Schreib- und Rechenkünste sowie die Allgemeinbildung, die oft zu wünschen übrig lassen. In den meisten Fällen sind entsprechende Kompetenzen eine Voraussetzung für den Berufseinstieg und eine Bedingung, um später die beruflichen Anforderungen erfüllen zu können. Doch handelt es sich hierbei letztlich nur um eine solide Basis, mit der erste Schritte möglich werden. Gerade im weiteren Verlauf des Berufslebens, wenn die Schulzeit bereits Jahre zurückliegt, zeigen sich Probleme ganz anderer Art. Spätestens dann, wenn die ehemaligen Berufseinsteigern Positionen mit Führungsverantwortung bekleiden wollen, werden fehlende soziale Kompetenzen und Mankos bei der Persönlichkeit zu einem echten Handikap.

Fachlich brillant, menschlich eine Katastrophe?

Das führt dann als Folge zu einer Diagnose, wie sie Führungskräfte in letzter Zeit häufiger zu hören bekommen: fachlich brillant, menschlich eine Katastrophe. Wie wir uns reines Fachwissen aneignen, haben wir alle in der Schule gelernt. Die Führungsriege der Unternehmen und auch Selbstständige haben dementsprechend auch kaum Probleme damit, das erforderliche Fachwissen zu erwerben. In der Berufspraxis treten dennoch durchaus massive Schwierigkeiten auf, die bei der Arbeit zu einer größeren Belastung werden und gleichzeitig das eigene Vorankommen behindern. So manche Karriereplanung gerät dadurch bereits ins Stocken, obwohl die wirklich großen Sprünge noch gar nicht erfolgt sind. Die Ursache ist schnell beschrieben: Soziale Kompetenzen und ein geschickter Einsatz der eigenen Persönlichkeit werden immer wichtiger für den beruflichen Erfolg, doch fehlt vielen Menschen gerade hier das entsprechende Wissen. Als wir noch die Schulbank drückten, haben wir es jedenfalls nicht gelernt, mit der eigenen Persönlichkeit zu punkten.

Dabei ist längst klar, dass der berufliche und somit auch der wirtschaftliche Erfolg in engem Zusammenhang mit der Persönlichkeit stehen. Und das gilt längst nicht nur für Führungskräfte. Viele Unternehmen wollen und können es sich schlichtweg nicht mehr leisten, dass Mitarbeiter durch persönliche Defizite zur Belastung werden. Die Ansprüche, die an die Persönlichkeit der Mitarbeiter und insbesondere der Führungskräfte gestellt werden, steigen also zusehends, und über das berufliche Vorwärtskommen entscheiden schon lange nicht mehr nur die fachlichen Fähigkeiten und Qualifikationen.

Wer Defizite im persönlichen Auftreten zeigt, wird heute nur noch in Ausnahmefällen die Chance für den nächsten Schritt nach oben erhalten. Andersherum: Wer schon durch ein souveränes Auftreten und seine Persönlichkeit überzeugt, setzt sich damit von der Masse ab – und Türen, die für viele andere verschlossen bleiben, werden weit geöffnet. Das gilt für alle Bereiche (nicht nur) des Berufslebens, und sowohl für den Berufseinsteiger als auch für den erfahrenen Manager: Ob der Neuling seine nächste Gehaltserhöhung erhält oder der Manager einen erweiterten Verantwortungsbereich zugesprochen bekommt – in beiden Fällen wird die jeweilige Persönlichkeit eine ganz erhebliche Rolle bei der Entscheidung spielen. Und was bei den ersten Schritten auf der Karriereleiter wichtig ist, erhält mit jedem weiteren Schritt immer größere Bedeutung.

Die persönliche Ausstrahlung – ein Motor für die Karriere

Wir alle kennen den ungeliebten Spruch „Wir lernen nicht für die Schule, sondern für das“. Die Frage ist, ob die Lehrpläne diesem Anspruch auch gerecht werden. Denn für einen Arbeitgeber und auch für die Gesellschaft werden wir vor allem durch bestimmte Persönlichkeitseigenschaften interessant, weniger durch das angeeignete schulische Wissen. Gerade weil sie so selten zu finden sind, stehen wahre Persönlichkeiten hoch im Kurs. Konstanten und feste Größen, die Halt und Orientierung geben, sind rar und deshalb kostbar geworden – und hierbei geht es nicht nur um abstrakte Zusammenhänge, sondern insbesondere auch um zwischenmenschliche Beziehungen.

Das führt geradewegs zum Kern des Problems: Wie kann jeder Einzelne das Wissen nachholen, das er oder sie in der Schule nicht erhalten hat? Die Antwort gibt die berühmte Inschrift des Orakels von Delphi: „Erkenne dich selbst.“ Diese letztlich gar nicht rätselhafte Inschrift besagt, dass der Mensch nur durch die Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit seine geistigen Kräfte voll entfalten kann. Das Erkennen der eigenen „Innenwelt“ ist also der Schlüssel für die Problemlösung in der „Außenwelt“. Das Wissen um die Wirkung und der intelligente Einsatz der eigenen Persönlichkeit ist nicht erst heute eine Schlüsselkompetenz. Doch ist diese Kompetenz nicht einfach da, sie muss erst entwickelt werden. Dabei brauchen wir kompetente Unterstützung. Das ist auch der Grund, warum der Weiterbildungsbedarf nahezu kontinuierlich wächst. In Seminaren, Trainings und Coachings lernen die Teilnehmer, die eigene Persönlichkeit zutreffend einzuschätzen und ganz gezielt zu stärken. Eine ganz wesentliche Rolle spielt hierbei das persönliche Auftreten.

Und genau dieser Aspekt kommt oft etwas kurz: Zwar macht jeder schon früh die Erfahrung, dass manche Menschen einfach besser ankommen als andere, doch wird selten die Frage nach dem Warum gestellt. Dabei ist die Strahlkraft der eigenen Persönlichkeit entscheidend sowohl für den beruflichen als auch für den persönlichen Erfolg. Wer im Berufsleben keine fachliche Substanz zu bieten hat, wird selbstverständlich früher oder später – meist früher – an seine Grenzen stoßen. Doch auch derjenige, der ein umfangreiches Fachwissen aufweist, wird auf der Karriereleiter frühzeitig stehenbleiben, wenn er menschlich nicht überzeugen kann.

Ganz anders sieht es aus, wenn sich ausgeprägte Fachkenntnisse und eine positive persönliche Ausstrahlung in einer Person vereinen. Die fachliche Seite stellt dabei selten ein Problem dar, wir haben es schließlich gelernt, uns das erforderliche Wissen anzueignen und abrufbereit parat zu haben. Auch ist die Bereitschaft meist groß, später für den Beruf neue fachliche Kompetenzen hinzuzulernen. Verglichen damit wird jedoch viel weniger für die Bildung der eigenen Persönlichkeit getan, auch wenn hier inzwischen ein Wandel eingesetzt hat. Die Ursache für diesen Rückstand mag in der mangelnden Aufmerksamkeit liegen, die diesem Thema seitens der Schulen geschenkt wird. Dabei lässt sich hier mit vergleichsweise wenig Aufwand sehr viel erreichen und eine große Wirkung erzielen.

Manche Menschen wirken selbstbewusst und souverän, sie treten zielstrebig auf, strahlen Sicherheit und Zuverlässigkeit aus, agieren authentisch und folgen ihren inneren Überzeugungen. Sie überzeugen und inspirieren andere Menschen, erscheinen zuversichtlich und erweisen sich als glaubwürdig. Sie wecken Begeisterung, Interesse und Sympathien, weil sie selbst Interesse an anderen Menschen zeigen und mitreißende Begeisterung entwickeln können. Außerdem heben sie sich deutlich von der Masse ab. Ihre kommunikativen und rhetorischen Fähigkeiten zeugen ebenso wie ihr sicheres Auftreten von einer starken Persönlichkeit, ohne dass sie dabei arrogant oder selbstgefällig wirken. Man nimmt ihnen ab, dass sie mit Leidenschaft für ihre Ideen und Überzeugungen einstehen und auch Verantwortung für ihre Entscheidungen und Handlungen übernehmen. – Derartige Persönlichkeiten haben ganz einfach die besseren Karten, denn sie wirken auf andere geradezu charismatisch.

Das gilt für alle Branchen: Wer sich in einem Unternehmen umsieht, wird feststellen: Nicht nur das Ansehen, das ein Kollege in der Firma genießt, sondern eben auch die Aufstiegschancen und selbst die Gehälter hängen entscheidend von der persönlichen Ausstrahlung ab. Eine souveräne oder gar charismatische Ausstrahlung zahlt sich aus. Schon deshalb lohnt es sich, die persönlichen Kompetenzen auszubauen und zu stärken.

Nur wenigen wurde es in die Wiege gelegt …

Das griechische Wort Charisma wurde ursprünglich vor allem im theologischen Kontext gebraucht. Bezeichnet wurde damit eine „Gnadengabe“, gemeint waren die durch den Geist Gottes bewirkten Fähigkeiten, insbesondere andere Menschen inspirieren, überzeugen und führen zu können. Vor allem Propheten, Heilige und Helden waren mit dieser besonderen Gabe gesegnet, die heute etwas nüchterner als besondere Ausstrahlungskraft beschrieben wird. Begibt man sich auf Spurensuche, scheint es, als sei Charisma tatsächlich vor allem eine mystische Gabe des Himmels, die einigen Glücklichen in die Wiege gelegt wird. Und trifft man nun auf einen Menschen, der über das gewisse Etwas verfügt, ist diese These damit keineswegs widerlegt. – Im Gegenteil, wir schauen verzaubert zu den Charismatikern auf und sind vielleicht sogar ein wenig neidisch, weil diese etwas für sich gepachtet zu haben scheinen, wovon andere nur träumen können.

Fest steht, Charisma bringt eindeutig Vorteile im Leben mit sich: Wer Charisma hat, ist wie von einer Aura umgeben, die alle anderen blass und fade wirken lässt. Ein Mensch mit Charisma zieht die Aufmerksamkeit auf sich, erntet Anerkennung und erfährt einen Grad der Wertschätzung, Zuneigung, ja Bewunderung, der weit über das übliche Maß hinausgeht. Damit noch nicht genug – Charismatiker genießen ein hohes Ansehen, üben eine starke Anziehungskraft aus und hinterlassen einen nachhaltigen Eindruck, wo auch immer sie auftauchen. All dies geschieht mit einer erstaunlichen Mühelosigkeit und völlig selbstverständlich, während viele andere sich verzweifelt bemühen, um auch nur einen Hauch dieser Wirkung zu erzielen.

Den eigenen Charisma-Faktor zu erhöhen, wäre also eindeutig ein Gewinn für das eigene Leben. Allerdings bezweifeln die meisten Menschen, dass Charisma erlernbar ist. Doch bei näherer Betrachtung lüftet sich das Geheimnis des Charismas ein wenig. Denn allen charismatischen Menschen ist eines gemeinsam: Ihre besondere Ausstrahlung wird durch ein harmonisches Zusammenspiel mehrerer Elemente bewirkt, die sich gegenseitig ergänzen und verstärken – und von denen jedes für sich trainierbar ist. Ganz eindeutig kann ein an den richtigen Stellen ansetzendes Training dabei helfen, das jedem Menschen innewohnende Potenzial freizusetzen – allerdings kann jeder Mensch nur das ausstrahlen, was er auch in sich hat.

Doch glücklicherweise haben die meisten Menschen weit mehr charismatisches Potenzial in sich, als sie selbst annehmen. Deshalb ist es nahezu in allen Fällen mehr als lohnenswert ist, hier gezielt anzusetzen, um ganz persönlich – beruflich wie privat – hinzuzugewinnen. Das persönliche Charisma-Potenzial lässt sich testen:

  • Haben Sie klare Zielsetzungen? Charismatiker wissen, was sie wollen, sind zugleich ambitioniert und realistisch bei ihren Zielsetzungen und lassen sich auch von Rückschlägen nicht beirren.
  • Sind Sie verbindlich in Ihrem Auftreten? Eine wohltuende Gradlinigkeit gehört einfach dazu – diese ist übrigens keineswegs mit übertriebener Verbissenheit zu verwechseln, die sicher nicht zur Optimierung der eigenen Ausstrahlung beiträgt.
  • Können Sie sich (und andere) begeistern? Eine besonders charismatische Wirkung haben wahre Leidenschaft und ehrlicher Enthusiasmus, die auch andere mitreißen, anspornen und zu Leistungen motivieren.
  • Sind Sie in der Lage, die Initiative zu ergreifen? Charismatische Menschen sind entschlussfreudig und lösungsorientiert, sie sehen nicht untätig zu, sondern nehmen die Sache selbst in die Hand. Statt dabei um den heißen Brei herumzulavieren, gehen sie ehrlich und direkt auf das anvisierte Ziel zu.
  • Berücksichtigen Sie die Perspektiven anderer für das eigene Handeln? Die Bereitschaft, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und deren Perspektive zu verstehen, stärkt die eigene Präsenz, während ein Mangel an Einfühlungsvermögen immer zulasten der eigenen Ausstrahlung geht.
  • Haben Sie Ihren eigenen Stil? Charismatische Menschen sind alles andere als opportun und passen sich nicht um jeden Preis an. Sie wissen um ihre Stärken und Schwächen, bekennen sich zu ihren Ecken und Kanten und können ihre Stärken ohne falsche Bescheidenheit einsetzen.
  • Finden Sie auch in heiklen Situationen die richtigen Worte? Wer nicht an anderen vorbeiredet, sondern eine verständliche, überzeugende und der Situation angemessene Sprache spricht, erreicht damit nicht nur die eigenen Ziele, sondern auch die Herzen seiner Zuhörer. Schon deshalb kann die Bedeutung der (übrigens auch nonverbalen) Kommunikation für die persönliche Ausstrahlung gar nicht überschätzt werden.
  • Sind Sie authentisch? Die Frage nach der Authentizität ist die vielleicht wichtigste, wenn es um Charisma geht. Wer in eine bestimmte Rolle schlüpft, die von der eigenen Persönlichkeit abweicht, verspielt damit das Vertrauen und jede Glaubwürdigkeit, zudem wirkt ein solcher Versuch schnell aufgesetzt – und schon ist jede charismatische Ausstrahlung dahin …

Natürlich ist Charisma mit diesen wenigen Fragen noch längst nicht entzaubert, schließlich ist diese besondere Art der Ausstrahlung doch mehr als allein die Summe einzelner Attribute und Fähigkeiten. Doch wer nun nicht gerade alle Fragen mit einem glatten Nein beantwortet hat, kann sicher sein, auch selbst eine starke charismatische Wirkung entfalten zu können, und sollte mit der Arbeit an sich selbst dort beginnen, wo noch Mankos bestehen.

Keine Frage von Schein oder Sein

Zwei der genannten Punkte sind darüber hinaus geradezu essenziell, wenn es darum geht, charismatischer aufzutreten: die Frage nach den eigenen kommunikativen und rhetorischen Fähigkeiten sowie nach der Authentizität. Gerade zum Thema Authentizität werden sich die wenigsten Menschen jemals Gedanken gemacht haben. Wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke, kann ich mich jedenfalls nicht daran erinnern, im Unterricht hierzu jemals auch nur irgendetwas gelernt zu haben. Den Schülern von heute geht es schon etwas besser, da die hohe Bedeutung des Themas auch in Schulen immer mehr Anerkennung findet. Denn gerade die Authentizität entscheidet in ganz besonderer Weise darüber, wie ein Mensch von anderen wahrgenommen wird.

Jede Verhaltensweise, die im Widerspruch zum inneren Kern eines Menschen steht, wirkt aufgesetzt, gekünstelt und erzwungen. Wann immer zwischen Schein und Sein ein deutliches Missverhältnis besteht, geht dies zulasten der persönlichen Authentizität. Der Terminus umfasst die miteinander verquickten Begriffe Echtheit, Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit. Die Authentizität des Auftretens trägt wesentlich zur eigenen Ausstrahlung bei.

Sobald Eigenschaften vorgetäuscht, simuliert oder einzig aus Kalkül eingesetzt werden, bleiben sie ein Abklatsch der echten Person. Durch mangelnde Authentizität geht nicht nur ein großer Teil der Ausstrahlungskraft verloren, jede Selbstinszenierung – so geschickt sie in einigen Fällen auch sein mag – stellt die Glaubwürdigkeit einer gesamten Person infrage. Wer in eine Rolle schlüpft, wird von dieser stark vereinnahmt, wodurch zwangsläufig wichtige Spielräume verloren gehen: Natürlichkeit und Gelassenheit bleiben schließlich auf der Strecke – und der Weg zu mehr Charisma bleibt versperrt. Zumal viele Menschen ein sehr gutes Gespür entwickeln und schnell zwischen Schein und Sein unterscheiden können.

Fehlende Authentizität, also ein unechtes Verhalten, schließt eine charismatische Ausstrahlung von vornherein aus. Andersherum wirkt sich Echtheit im Auftreten immer positiv auf die eigene Ausstrahlung aus. Wer also versucht, Charisma auf Knopfdruck zu entwickeln, wird spätestens an den Reaktionen seiner Mitmenschen erkennen, dass dieser Versuch ins Leere läuft und sogar der persönlichen Wirkung schadet. Wer sich bloß das Äußere von charismatischen Menschen zum Vorbild nimmt und versucht, ihr Auftreten, ihre Gesten, Worte, ihre Wirkung zu kopieren, wirkt zwangsläufig gekünstelt, aufgesetzt und nicht selten arrogant und eitel. Die Kluft zwischen Schein und Sein driftet dann immer weiter auseinander, und echtes Charisma wird unerreichbar. Charisma entsteht nämlich nicht aufgrund äußerlicher Merkmale, es ist vielmehr eine Frage der inneren Einstellung zu sich selbst, zu anderen Menschen und zu den alltäglichen und besonderen Dingen des Lebens. Die Wirkung nach außen kommt von allein. Man kann sie zwar unterstreichen, doch niemals aus dem Nichts „hervorzaubern“.

Der Skeptiker wird an dieser Stelle einwerfen, dass erlerntes Charisma letztlich doch künstlich und echtes Charisma eben gerade nicht erlernbar ist. Wie soll etwas, das wir uns – womöglich mühevoll – antrainieren, authentisch sein? Auf den ersten Blick erscheint das wie ein Widerspruch. Und wer sein Charisma entwickeln oder ausbauen möchte, begibt sich auf einen nicht immer leichten Weg. Es gilt, sich von Gewohnheiten, Bequemlichkeiten und (selbst gesetzten) Grenzen zu verabschieden und andere Fähigkeiten und Verhaltensweisen zu üben – bis man sie schließlich souverän und mühelos beherrscht.

Dass etwas Angelerntes für uns selbst nun auf ewig fremd und künstlich bleibt und nicht irgendwann zu unserem Selbst gehören sollte, ist schon insofern wenig plausibel, weil Menschen sich von Geburt an ständig weiterentwickeln, Neues dazulernen, Fähigkeiten erwerben und verfeinern, Wissen hinzugewinnen und neue Verhaltensweisen antrainieren. Würden nur unsere Eigenschaften und Fähigkeiten, mit denen wir auf die Welt gekommen sind, als authentisch gelten, würde ja kein einziger erwachsener Mensch authentisch sein. Insofern steht das Erlernen einer Sache keineswegs im Widerspruch zur Authentizität. – Benutzen wir statt der Wörter „antrainieren“ oder „lernen“ den Begriff „aneignen“, wird dieser Prozess auch sprachlich nachvollziehbar: Wenn wir uns etwas aneignen, dann machen wir uns nämlich etwas zu eigen. Es gehört dann zu uns, ist Teil unserer Persönlichkeit – und somit authentisch. Das heißt, nahezu jeder Mensch ist in der Lage, mehr authentisches Charisma (denn ein anderes gibt es nicht) zu entwickeln.

Die Kommunikationstheorie in der Praxis

Persönliche Authentizität ist jedoch nur der erste von zwei wesentlichen Punkten im Zusammenhang mit Charisma, sie steht jedoch in direktem Zusammenhang mit dem zweiten: der eigenen Kommunikation. Aus der Schule kennen wir zum Thema vor allem das sogenannte metakommunikative Axiom von Paul Watzlawick, das besagt, dass wir unaufhörlich kommunizieren – und zwar längst nicht nur mit Worten. Und auch das Sender-Empfänger-Prinzip der menschlichen Kommunikation wird im Unterricht auch heute noch standardmäßig behandelt. Es kann nicht schaden, sich beides wieder ins Gedächtnis zu rufen:

Die menschliche Kommunikation ist überaus vielfältig. Neben den Worten sind ebenfalls der Tonfall, die Geschwindigkeit des Sprechens, auch ein Schweigen oder Lachen und Seufzen wesentliche Bestandteile der Kommunikation. Und auch mit der Körperhaltung, mit Bewegungen, der Gestik und Mimik, mit Blicken und selbst mit der Kleidung senden wir Signale an unser Gegenüber, die dieser dann interpretiert. Unser gesamtes Verhalten ist also Kommunikation. Und es ist einfach nicht möglich, sich nicht zu verhalten – gleichzeitig ist es nicht möglich, das Verhalten eines anderen nicht wahrzunehmen und nicht zu interpretieren.

Doch was wir aus der Schulzeit als Theorie kennen, hat enorme und ganz konkrete Auswirkungen auf das Leben jedes Einzelnen. Denn wo immer Menschen zusammenkommen, sind alle Anwesenden jederzeit sowohl Sender als auch Empfänger von Signalen. Deshalb entscheidet auch die Kommunikation über unsere Ausstrahlung. Das Problem ist: Wenn auf so vielfältige Weise unaufhörlich Signale gesendet und empfangen werden, kann es bei der Übertragung der Signale leicht zu Störungen kommen. Solche Störungen können sehr profan sein, wie beispielsweise ein genuscheltes Wort, das vom anderen nicht verstanden wird. Sie sind meist jedoch weitaus komplexer: Mein Gesprächspartner kann mich beispielsweise verbal sehr gut verstehen, bekommt dennoch alles in den falschen Hals, weil er meinen Blick als feindselig interpretiert – oder er glaubt, dass ich nicht bei der Sache bin, weil ich gelangweilt an meiner Krawatte herumzupfe und immer wieder zum Fenster hinausschaue. Entsteht dann eine insgesamt gereizte Stimmung, ist es manchmal, als würden die Gesprächspartner zwei unterschiedliche Sprachen sprechen. Die Folge sind dann oft Fehlinterpretationen auf der einen und/oder anderen Seite. Schließlich geht die gemeinsame Wellenlänge verloren und selbst gut gemeinte Signale kommen nicht mehr wie gewünscht beim Empfänger an. Die Folge sind Kommunikationsstörungen, die sich leicht zu ernsthaften Konflikten ausweiten können. Eine gute Kommunikation erfordert daher stets viel Aufmerksamkeit – sowohl was das Senden als auch das Empfangen von Signalen angeht.

Wer nun Wert auf eine gute Ausstrahlung legt und mehr Charisma entwickeln will, bringt diese Aufmerksamkeit mit und wird sein Verhalten gezielt einsetzen und versuchen, die Signale der Gesprächspartner möglichst zutreffend zu entschlüsseln. Da wir nun unaufhörlich kommunizieren, ist diese Fähigkeit von allergrößter Bedeutung, entscheidet sie doch maßgeblich darüber, wie wir von unserer Umwelt wahrgenommen werden. Denn unsere gesamte Umwelt wird sich allein aufgrund unseres Verhaltens ein Bild von uns machen. Damit entscheidet das persönliche Kommunikationsverhalten darüber, wie wir von anderen wahrgenommen werden.

Wiederum geht es auch hier nicht ohne Authentizität: Schon in der Antike war es das oberste Ziel eines Redners, unbedingt seine Glaubwürdigkeit zu bewahren – denn ein unglaubwürdiger Redner kann erzählen, was immer er will, wenn ihm seine Zuhörer keinen Glauben schenken, wird er mit seinen Worten nichts mehr erreichen.

Wer sich auch nur eine halbwegs positive Ausstrahlung erhalten will, wird seine Gesprächspartner nicht überreden, sondern überzeugen. Wem es gelingt, einen Gesprächspartner durch und durch zu überzeugen, wird damit einen nachhaltigen Erfolg verbuchen. Hat man im Gespräch den Eindruck „Der spricht mir aus der Seele und berücksichtigt auch noch meine persönlichen Interessen“ und ist obendrein von der Argumentation überzeugt, wird man erst gar nicht den Konfrontationskurs wählen. Wer sich von einer Sache hat überzeugen lassen, wird sich mit weitaus stärkerer Motivation daran machen, das Besprochene in die Tat umzusetzen, als ein anderer, der manipuliert wurde. Wer durch Druck, Angst oder ganz einfach mit Unwahrheiten zu einer bestimmten Handlung veranlasst wurde, hat hingegen nur eine sehr begrenzte Motivation und wird auch das bisschen Motivation im Laufe der Zeit noch verlieren. Ist ein Mensch jedoch tatsächlich überzeugt, wird er seinem Gesprächspartner Respekt entgegenbringen, ihn für seine Weitsicht achten und für das aufschlussreiche Gespräch danken. Das bringt nicht nur Sympathiepunkte, sondern ist ein großer Schritt in Richtung Charisma – und ein wesentlicher Erfolgsfaktor im Beruf.

Denn gerade in Diskussionen und Kontroversen offenbart sich der persönliche Kommunikationsstil. Ein hohes Niveau in der Kommunikation zu erreichen, bedeutet nämlich, nicht nur an die eigene Perspektive zu denken, sondern die Welt auch mit den Augen des Gesprächspartners zu betrachten. Gerade deshalb unterhält man sich so gern mit charismatischen Menschen: Denn sie sind in der Lage, sich in die Situation ihrer Gesprächspartner einzufühlen – sie verstehen, wo die Interessen, Probleme, Wünsche und Erwartungen des anderen liegen und können auch aktuelle Stimmungen interpretieren. Das versetzt sie in die Lage, die Vor- und auch Nachteile einer Zielsetzung für den anderen zutreffend darzustellen. Und diese Fähigkeit ist auch die Grundlage für eine überzeugende Argumentation. Denn gute Argumente, die einen Gesprächspartner überzeugen, berücksichtigen immer die Lebenswirklichkeit des anderen. Bei einer solchen sogenannten partnerorientierten Argumentation kommt es darauf an, dem Gegenüber seine Vorteile und seinen Nutzen im Sinne seiner Interessen zu verdeutlichen. Es ist also durchaus möglich, dass man selbst ein Argument für großartig hält, während es dem Gesprächspartner dann tatsächlich nur ein müdes Schulterzucken entlockt. Und dann wird von diesem Argument auch keine Überzeugungskraft ausgehen. Ganz anders ein Argument, das auch aus der Sicht des Gegenübers plausibel klingt. Werden bei der Argumentation vor allem die Interessen des anderen berücksichtigt, lässt sich der Gesprächspartner auch gern überzeugen. – Die eigene Glaubwürdigkeit spielt hierbei natürlich eine entscheidende Rolle, denn nichts schmälert die Überzeugungskraft mehr als Unglaubwürdigkeit. Wer andere manipulieren will, Sachverhalte beschönigt oder falsch darstellt, setzt damit immer auch die eigene Glaubwürdigkeit aufs Spiel.

Persönlichkeitsentwicklung hat Konjunktur

Der Weg zu mehr Charisma beginnt bei der Authentizität und führt über ein partnerorientiertes Kommunikationsverhalten, wobei die persönliche Glaubwürdigkeit die höchste Rolle spielt. Und in Gesprächen haben die meisten Menschen ein gutes Gespür, das sie sehr gut zwischen richtig und falsch unterscheiden lässt. Bewusst oder unbewusst suchen wir nach Signalen oder Hinweisen, die uns Aufschluss über die Glaubwürdigkeit unseres Gegenübers geben. Ob uns nun jemand Märchen erzählt, erkennen die meisten Menschen intuitiv vor allem auch an den nonverbalen Signalen. Ohne dass es uns bewusst ist, wird jeder Mensch im Gespräch sozusagen einer Glaubwürdigkeitsprüfung unterzogen, wobei wir auch auf kleinste Indizien achten: von der Häufigkeit des Lidschlags, der Intensität des Blickkontakts bis hin zur gesamten Mimik, Gestik und allen Körperbewegungen. Und auch Aspekte wie Antwortlänge, Sprechgeschwindigkeit, Verzögerungen, Sprechstörungen und die Stimmlage werden hierbei einer Prüfung unterzogen. Kurz: Die gesamte Person und auch ihr Verhalten in der Vergangenheit entscheiden über ihre Glaubwürdigkeit.

Glaubwürdigkeit entsteht aufseiten unseres Gesprächspartners, ist also subjektiv und von der Wahrnehmung unseres Gegenübers abhängig. Schon deshalb bringt es viele Vorteile, den persönlichen Kommunikationsstil auf den Gesprächspartner auszurichten. Denn natürlich wird jeder solche Menschen bevorzugen, die sich bereits als glaubwürdig erwiesen und so Vertrauen gewonnen haben. Jeder Vertrauensverlust lässt sich nur sehr schwer – und wenn überhaupt, dann nur über längere Zeiträume – wieder beheben. Wer sein Vertrauen verspielt, wird natürlich Misstrauen ernten – ein weiterer Grund, dem eigenen Kommunikationsstil große Aufmerksamkeit zu schenken. Erfolgreich zu kommunizieren bedeutet weniger, rhetorische Tricks zu lernen, sondern zielt vor allem darauf ab, sich in andere Menschen zutreffend einzufühlen und von ihnen als glaubwürdig und vertrauensvoll wahrgenommen zu werden. In dieser Weise zu kommunizieren, weckt Interesse, erzeugt Aufmerksamkeit und macht charismatisch.

Die Meinungen der Unternehmen darüber, ob der Unterricht in den klassischen Schulfächern zu wünschen übrig lasse oder ob der Vermittlung von Computerkenntnissen oder der englischen Sprache mehr Gewicht beigemessen werden sollte, sind geteilt – Einigkeit besteht hingegen darüber, dass Persönlichkeits- und Sozialkompetenzen von allergrößter Bedeutung sind. Wer heute Stellenanzeigen aufmerksam liest, wird insbesondere dann, wenn es um verantwortungsvolle Positionen geht, auf Anforderungen stoßen, die wir allgemein unter soziale Kompetenz einordnen. Gesucht werden Persönlichkeiten, die menschlich und fair eine Gruppe leiten können, die ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit aufweisen und als Vorbild mit gutem Beispiel vorangehen. Gesucht werden Menschen, die Veränderungsbedarf erkennen, die notwendigen Dinge anstoßen und lenken, die dabei über Konfliktfähigkeit und Einfühlungsvermögen verfügen, ein Team aufbauen und für eine reibungslose Zusammenarbeit sorgen. Mit anderen Worten: Gefragt sind souveräne und charismatische Menschen – und das sind oft die, die sich auf ein lebenslanges Lernen eingestellt haben und dabei immer wieder bei sich selbst anfangen, die das eigene Verhalten und die eigene Persönlichkeit kritisch überprüfen und gezielt optimieren.

Die Personalschefs vieler Unternehmen sprechen hier eine Sprache. Die Wirkung der eigenen Persönlichkeit, die individuelle Ausstrahlungskraft oder gar Charisma lässt sich allerdings nicht lernen wie eine mathematische Formel. Der Weg zu mehr Charisma ist vor allem eine Frage der Persönlichkeitsentwicklung – und sich verstärkt dieser Aufgabe zu widmen, verspricht doppelten Erfolg: Die eigene Persönlichkeit bildet die Basis für den Erfolg im Beruf und ebenso für ein erfülltes Leben als Ganzes. Hier lohnt es ganz gewiss, sich neues Wissen anzueignen. Von mehr Unterstützung auf diesem Gebiet seitens der Schulen würden wir zweifellos alle profitieren, denn immer öfter heißt es: Etwas mehr Charisma bitte!

© Stéphane Etrillard, 2011

Seminartipp mit Stéphane Etrillard

CHARISMA UND SOUVERÄNITÄT

Buchtipp: die Neuerscheinung von Stéphane Etrillard

Stéphane Etrillard
CHARISMA
Einfach besser ankommen
55 Fragen und Antworten zum Mythos Charisma
80 Seiten – 9,95 EUR
(Soft Skills kompakt, Bd. 11)
ISBN: 3-87387-762-7

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Lothar J. Seiwert über das neue Buch von Stéphane Etrillard

„Wer bisher dachte, man könne sich selbst nicht zum Charismatiker entwickeln, den wird dieses Buch positiv überraschen – und vom Gegenteil überzeugen.“

Lothar J. Seiwert (Bestseller-Autor und Keynote-Speaker) www.seiwert.de

Informationen zum Autor

Stéphane Etrillard, Jahrgang 1966, ist gefragter Rhetorik- und Kommunikationstrainer sowie vielfacher Buchautor. Er zählt zu den besten seines Fachs und gilt als führender europäischer Experte zum Thema „persönliche Souveränität“. Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht stets die authentische Persönlichkeit des Klienten. 2010 erschien bei Junfermann sein Buch „Charisma – Einfach besser ankommen“; darin lüftet er in 55 Fragen und Antworten das Geheimnis um den Mythos Charisma. In seinem Buch „Gesprächsrhetorik: Souverän agieren – überzeugend argumentieren“ (Businessvillage, 2009) geht es um den wirkungsvollen Einsatz einer partnerorientierten Gesprächsrhetorik und um den Zusammenhang zwischen rhetorischen Fähigkeiten und persönlicher Ausstrahlung. Vor einigen Jahren zog Stéphane Etrillard von Düsseldorf nach Berlin und er möchte das Hauptstadtleben nicht mehr missen. http://www.etrillard.com

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In privaten und erst recht in beruflichen Gesprächssituationen achten wir, ob bewusst oder unbewusst, immer auf bestimmte Signale, die ein Gegenüber aussendet. Meist braucht es nur wenige Minuten, manchmal sind es sogar nur einige Sekunden, und schon haben wir uns eine Meinung über die Persönlichkeit oder wenigstens über die momentane Stimmung und Verfassung unseres Gesprächspartners gebildet. – Kaum dass einige Worte miteinander gewechselt wurden, wird das Gegenüber auch schon im Geiste mit einigen positiven oder negativen Attributen versehen: Immer finden sich Anhaltspunkte dafür, ob der Gesprächspartner entweder unsicher, nervös und unkonzentriert oder selbstsicher, unbefangen und aufmerksam auftritt. Mit dieser Einordnung werden nicht nur die Weichen für das gesamte Gespräch gestellt, sie bestimmt auch nachhaltig die Wahrnehmung der anderen Person.

Stéphane Etrillard

Stéphane Etrillard

von Stéphane Etrillard, www.etrillard.com

Obwohl dieses Phänomen oft nicht unbekannt ist, wird häufig vergessen, dass wir selbst, aus der Sicht unserer Gesprächspartner betrachtet, ebenfalls ein Gegenüber sind, das kritisch unter die Lupe genommen wird. Und gerade Menschen, die eine exponierte Stellung einnehmen, wie bspw. alle Führungskräfte, werden hierbei einer ganz besonders intensiven Prüfung unterzogen. Manche Gesprächspartner lauern womöglich sogar nur auf einen Fauxpas, auf Unsicherheiten und wollen irgendwelche bestehenden Vorurteile bestätigt sehen.

Führungskräfte stehen immer im Fokus der allgemeinen Aufmerksamkeit, ihre Worte haben Relevanz, in Gesprächen mit ihnen geht es um wichtige Dinge, die für ihre Gesprächspartner nicht folgenlos bleiben. Sie müssen Anweisungen erteilen, schwierige Situationen klären, auf ihre Mitarbeiter eingehen, Lob oder Kritik anbringen und ganz generell besonders häufig auch schwierige Gespräche führen – und meistern. Hierbei ist wenig Spielraum für Unsicherheiten, Missverständnisse und Kommunikationsstörungen jeglicher Art. Derartige Aspekte gefährden den reibungslosen Geschäftsablauf und lassen unterschiedlichste Konflikte entstehen. Allen kontraproduktiven Möglichkeiten zu entgehen ist hierbei selbstverständlich nicht immer leicht, zumal die Worte einer Führungskraft schnell auf die Goldwaage gelegt und mit Vorliebe von ihren Mitarbeitern interpretiert werden.

Ganz unbestritten erleichtert es gerade Führungskräften die Arbeit, wenn ihre Führungsqualitäten und Kompetenzen nicht infrage gestellt werden und sie zudem noch über eine positive Ausstrahlungskraft verfügen. Ihre allgemeine Anerkennung und Souveränität wird dabei zu großen Teilen an ihrem Verhalten in Gesprächssituationen gemessen. So findet bspw. selbst größte Kompetenz nur geringe Anerkennung und wenig Resonanz, wenn die Professionalität im Gespräch verloren geht. Einige Führungskräfte versuchen dieser Falle zu entgehen, indem sie im Gespräch ein Gebaren an den Tag legen, das eher einer Mischung von Überheblichkeit, Selbstprofilierung und autoritärem Verhalten als denn tatsächlicher Souveränität entspricht. Sie sind währenddessen gleichwohl davon überzeugt, insgesamt souverän aufzutreten und auch zu wirken, während sich ihren Gesprächspartnern parallel aber ein ganz anderes Bild darstellt.

Eine souveräne Gesprächsrhetorik bezieht die Perspektive des Gesprächspartners mit ein und ist also nicht auf Darstellung der eigenen Person fixiert. Wer es versteht, in Gesprächen die eigene Souveränität – fernab jeglicher Überheblichkeit und aufgesetzter oder schön geschminkter Verhaltensweisen – zu wahren, unterstreicht damit immer seine Glaubwürdigkeitt, wirkt verbindlich, erhöht die Aufmerksamkeit der Gesprächspartner und verbessert die eigene Ausstrahlungskraft.

Auf dieser Grundlage gewinnt nicht nur die eigene Persönlichkeit, es lassen sich auch die Gesprächsinhalte wesentlich effektiver transportieren, ohne dass dabei ein Gegenüber mithilfe destruktiver Mechanismen hinters Licht geführt zu werden braucht. Es ist ein klares Zeichen einer starken Persönlichkeit, im Gespräch durch Gradlinigkeit und eine aufrechte Art zu überzeugen, wodurch sich auch ein gesundes (jedoch nicht übersteigertes) Selbstbewusstsein zeigt. Ein effektiver Umgang mit der Sprache, insbesondere im persönlichen Gespräch, ist immer eine tragende Säule für den eigenen Erfolg. Für rhetorisch völlig unbegabte Menschen, die nicht oder kaum in der Lage sind, die Sprache zielgerichtet und wirkungsvoll einzusetzen, gehen viele Chancen verloren. Ihr Weg ist voller Stolpersteine, die sie sich auch noch selbst auslegen, die jedoch mit entsprechender Sachkenntnis der rhetorischen Prinzipien schnell beiseite zu schaffen sind.

Genau genommen ist die Sprache das wichtigste Instrument im Management überhaupt – ohne entsprechende Kommunikation lässt sich ein Prozess weder in Gang setzen noch aufrechterhalten. Gesprochen wird zwar viel, nicht selten jedoch auch zu wenig – entscheidend ist aber weniger die Quantität, es ist die rhetorische Qualität der Gespräche, die den Wirkungsgrad bestimmt. – Wir können viel Energie aufwenden und doch nur wenig damit erreichen; wir können auch direkt auf größere Investitionen in unsere Sprache verzichten und dadurch ebenfalls wenig erreichen; wir können uns aber auch eine souveräne Gesprächsrhetorik zu eigen machen und damit das Verhältnis von aufgewendeter Energie und erzielter Wirkung optimieren.

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Stéphane Etrillard

Stéphane Etrillard

Für viele Menschen gilt Charisma als das Nonplusultra der persönlichen Wirkung. Denn charismatische Personen begeistern, überzeugen, inspirieren, strahlen Zuversicht, Souveränität und Glaubwürdigkeit aus und wirken obendrein auch noch sympathisch. Und das alles ohne große Anstrengung und vollkommen unabhängig von der sozialen oder beruflichen Stellung. Es ist also kein Wunder, dass viele den Wunsch hegen, auch über dieses gewisse Etwas zu verfügen.

von Stéphane Etrillard, Management Institute SECS, Düsseldorf

Doch die charismatische Persönlichkeit ist keine Rolle, in die man bei Bedarf einfach hineinschlüpfen kann; Charisma ist immer echt und entfaltet sich nur, wenn es einer authentischen Persönlichkeit entspringt. Es lässt sich zwar in gewissen Grenzen erlernen, dieses Erlernen ist aber stets an eine Entwicklung der eigenen Persönlichkeit gebunden. Die Strahlkraft charismatischer Menschen speist sich aus ihren tatsächlichen persönlichen Eigenschaften, sie lässt sich nicht wie ein Kostüm überstreifen.

Wer dennoch versucht, Charisma auf Knopfdruck zu entwickeln, wird spätestens an den Reaktionen seiner Mitmenschen erkennen, dass dieser Versuch ins Leere läuft und im schlimmsten Falle sogar der persönlichen Wirkung schadet. Wer sich bloß das Äußere von charismatischen Menschen zum Vorbild nimmt und versucht, ihr Auftreten, ihre Gesten, Worte, ihre Wirkung zu kopieren, wirkt zwangsläufig gekünstelt, aufgesetzt und nicht selten arrogant und eitel. Die Kluft zwischen Schein und Sein driftet dann immer weiter auseinander, und echtes Charisma wird unerreichbar. Charisma entsteht nämlich nicht aufgrund äußerlicher Merkmale, es ist vielmehr eine Frage der inneren Einstellung zu sich selbst, zu anderen Menschen und zu den alltäglichen und besonderen Dingen des Lebens. Die Wirkung nach außen kommt von allein. Man kann sie zwar unterstreichen, aber niemals aus dem Nichts „hervorzaubern“.

Eine positive innere Einstellung zu sich selbst fußt auf einem ausgeprägten Selbstbewusstsein, das bedeutet, man kennt und akzeptiert die eigenen Wünsche und Bedürfnisse, Stärken und Schwächen, Überzeugungen und Ansichten, Ambitionen und Ziele. – Man ist sich seiner selbst bewusst und entwickelt ein gesundes Selbstwertgefühl. Nur unter dieser Voraussetzung ist es möglich, ein selbstbestimmtes Leben zu führen und sich integer zu verhalten, sodass die eigenen Entscheidungen und Handlungen mit den persönlichen Maßstäben und Vorstellungen im Einklang stehen. Das wiederum ist die Bedingung dafür, dass Menschen die persönliche Verantwortung für ihr Entscheiden und Handeln übernehmen und dafür einstehen, auch wenn sie Fehler gemacht haben oder Irrtümern aufgesessen sind. Integrität und Verantwortung festigen die eigene Persönlichkeit und sorgen dafür, dass man von anderen als glaubwürdig, souverän und verlässlich wahrgenommen wird.

Wer über eine solche in sich gefestigte Persönlichkeit verfügt, dem fällt es leicht, sich auf andere Menschen einzulassen, ihnen offen und mit ehrlichem Interesse zu begegnen, sich über ihre Erfolge zu freuen und sie bei Schwierigkeiten zu unterstützen. Deshalb wirken charismatische Menschen auch nie arrogant oder egoistisch, sondern glänzen durch Einfühlungsvermögen, ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit und Toleranz. Andere Menschen stehen für sie nicht in Konkurrenz zur eigenen Person, sondern sind eine Bereicherung für das eigene Leben. Das gilt genauso für neue Herausforderungen oder Aufgaben und Pflichten. Auf der Basis einer gefestigten Persönlichkeit ist es leicht, sich mit Begeisterung und Leidenschaft einer Aufgabe zu widmen, sie als Chance und als Gewinn zu begreifen. Auch etwaige Fehlschläge können diese Sicht kaum trüben, denn sie rütteln nicht am Selbstwertgefühl, sondern werden als Teil der Herausforderung aufgefasst.

Unter dem Einfluss eines mangelnden Selbstwertgefühls oder gar von Selbstzweifeln steht hingegen häufig die Gefahr des Scheiterns im Zentrum der Aufmerksamkeit. Mögliche Fehler oder Rückschläge werden dann als persönliche Niederlage gewertet, die das Selbstwertgefühl weiter beschädigen. Das hat auch Auswirkungen auf die Einstellung zu anderen Menschen. Der Erfolg eines anderen erscheint dann schnell als Vorteil eines Konkurrenten, für den man sich kaum freuen kann, denn er steht jetzt besser da als man selbst. So ist es beinahe unmöglich, vorbehaltlos auf andere Menschen zuzugehen und ihnen echtes Interesse entgegenzubringen. Das schmälert die Fähigkeit, andere zu begeistern und von der eigenen Persönlichkeit zu überzeugen. An Charisma ist unter diesen Bedingungen nicht zu denken. Selbst eine hohe Machtposition, ein perfektes und teures Outfit, eine brillant formulierte Rede oder andere hochwertige Attribute würden daran nichts ändern, solang ein gesundes Selbstwertgefühl, Verantwortungsbewusstsein und die positive Einstellung zu sich und zu anderen nicht authentischer Bestandteil der Persönlichkeit sind.

Diese Einsichten stellen keineswegs ein Hindernis dar. Im Gegenteil: Sie sollen zeigen, dass es durchaus möglich ist, Charisma zu entwickeln, auch wenn es Ihnen nicht in die Wiege gelegt wurde. Doch es bedarf etwas Arbeit an sich selbst, denn all das, was einen charismatischen Menschen ausmacht, ist echt. Er wirkt nicht nur zuversichtlich, souverän, begeisterungsfähig und aufgeschlossen, er ist es tatsächlich. Und davon profitieren längst nicht nur die Menschen aus Ihrem Umfeld, sondern insbesondere Sie selbst!

© Stéphane Etrillard, 2010

Seminartipp mit Stéphane Etrillard

CHARISMA UND SOUVERÄNITÄT

Buchtipp: die Neuerscheinung von Stéphane Etrillard

Stéphane Etrillard
CHARISMA
Einfach besser ankommen
55 Fragen und Antworten zum Mythos Charisma
80 Seiten – 9,95 EUR
(Soft Skills kompakt, Bd. 11)
ISBN: 3-87387-762-7

Weitere Informationen und Bestellmöglichkeit bei Amazon.de


Lothar J. Seiwert über das neue Buch von Stéphane Etrillard

„Wer bisher dachte, man könne sich selbst nicht zum Charismatiker entwickeln, den wird dieses Buch positiv überraschen – und vom Gegenteil überzeugen.“

Lothar J. Seiwert (Bestseller-Autor und Keynote-Speaker) www.seiwert.de


Über Stéphane Etrillard

Stéphane Etrillard

Stéphane Etrillard

Stéphane Etrillard zählt zu den Top-Wirtschaftstrainern und Coaches. Er gilt als führender europäischer Experte zum Thema „persönliche Souveränität“.
Bei Entscheidern und Führungskräften ist er als Ratgeber und „Trainer der neuen Generation“ gesucht und bekannt. Als Coach und Autor genießt er einen hervorragenden Ruf. Mit seinen offenen Seminaren im Bereich Rhetorik und Dialektik sowie Selbst-PR verhilft er seinen Teilnehmern zu mehr Souveränität in allen Lebenslagen.

Stéphane Etrillard vermittelt Kompetenz aus der Praxis für die Praxis. Sein bewährtes Know-how ist in den letzten 10 Jahren in der Beobachtung und Begleitung von mehreren Tausend Führungskräften und Verkäufern aus unterschiedlichsten Branchen entstanden. Coachings und Seminare führte er bis jetzt in Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Frankreich, Italien, Ungarn sowie in Russland durch. Zu seinen Privatklienten zählen Manager aus Top-Unternehmen, mittelständische Unternehmer und Politiker sowie viele Menschen, die sich bei ihm neue Impulse holen, um ihre Kommunikation zielführender zu gestalten. Durch zahlreiche Vorträge und Publikationen ist er einem breiten Publikum bekannt geworden.

Er ist Autor von über 30 Büchern und Audio-Coaching-Programmen, die zu den Business-Topsellern zählen.

Stéphane Etrillard zählt das Who’s Who europäischer Unternehmen zu seinen Kunden. Das Spektrum seiner Kunden erstreckt sich von innovativen Mittelständlern über DAX-Unternehmen bis zu global agierenden Konzernen. Bei den führenden Seminar- und Kongressveranstaltern zählt er zu den gefragtesten Referenten. In Zusammenarbeit mit Führungskräfte-Akademien und Seminarveranstaltern hat er Fach- und Führungskräfte von fast allen DAX-Unternehmen geschult.

Kontakt zum Autor:

Stéphane Etrillard
Schloss Elbroich
Am Falder 4
40589 Düsseldorf

Telefon: 0211 7570740
Telefax: 0211 750053

www.etrillard.com

info@etrillard.com

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CHARISMA UND SOUVERÄNITÄT

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Stéphane Etrillard

Stéphane Etrillard


Das griechische Wort Charisma wurde ursprünglich vor allem im theologischen Kontext gebraucht. Bezeichnet wurde damit eine „Gnadengabe“, gemeint waren die durch den Geist Gottes bewirkten besonderen Fähigkeiten, insbesondere andere Menschen inspirieren, überzeugen und führen zu können. Vor allem Propheten, Heilige und Helden waren mit dieser besonderen Gabe gesegnet, die heute etwas nüchterner als besondere Ausstrahlungskraft beschrieben wird. Geblieben ist das Rätsel der Herkunft, begibt man sich auf Spurensuche, scheint es, als sei Charisma tatsächlich vor allem eine mystische Gabe des Himmels, die einigen Glücklichen in die Wiege gelegt wurde. Und hat man nun das Glück, auf einen jener Menschen zu treffen, die über das gewisse Etwas verfügen, ist diese These damit keineswegs widerlegt. – Im Gegenteil, wir schauen verzaubert zu den Charismatikern auf und sind vielleicht sogar ein wenig neidisch, weil diese etwas für sich gepachtet zu haben scheinen, wovon andere nur träumen können.

von Stéphane Etrillard, Management Institute SECS, Düsseldorf

Fest steht, Charisma bringt eindeutig Vorteile im Leben mit sich: Wer Charisma hat, ist wie von einer Aura umgeben, die alle anderen blass und fade wirken lässt. Ein Mensch mit Charisma zieht die Aufmerksamkeit auf sich, erntet Anerkennung und erfährt einen Grad der Wertschätzung, Zuneigung, ja Bewunderung, der weit über das übliche Maß hinausgeht. Damit noch nicht genug – Charismatiker haben die Fähigkeit, einzelne Menschen bis hin zu ganzen Massen für sich zu gewinnen, sie wirken glaubwürdig und in jeder Hinsicht authentisch. Sie genießen ein hohes Ansehen, wirken immer interessant und hinterlassen einen nachhaltigen Eindruck, wo auch immer sie auftauchen. All dies geschieht mit einer erstaunlichen Mühelosigkeit und völlig selbstverständlich, während viele andere sich verzweifelt bemühen, um auch nur einen Hauch dieser Wirkung zu erzielen.

Was wäre es also für ein Gewinn für das eigene Leben, ebenfalls in dieser Weise und mit solcher Leichtigkeit auftrumpfen zu können! Hier stellt sich also die Frage: Ist Charisma erlernbar? Bei näherer Betrachtung lüftet sich das Geheimnis Charisma dann letztlich doch ein wenig. Denn allen charismatischen Menschen ist eines gemeinsam: Ihre besondere Ausstrahlung wird durch ein harmonisches Zusammenspiel mehrerer Elemente bewirkt, die sich gegenseitig ergänzen und verstärken – und von denen jedes für sich trainierbar ist. Bevor die Frage nach der Erlernbarkeit nun allzu leichtfertig bejaht wird, ist festzuhalten, dass ein an den richtigen Stellen ansetzendes Training das jedem Menschen innewohnende Potenzial freisetzen kann, doch lässt sich letztlich nur ausstrahlen, was man auch in sich hat. Wer also durch und durch uncharismatisch ist, wird zwar von entsprechenden Maßnahmen durchaus profitieren – ein zweiter Abraham Lincoln dürfte dennoch nicht aus ihm werden.

Glücklicherweise haben die meisten Menschen genügend charismatisches Potenzial in sich, dass es mehr als lohnenswert ist, hier gezielt anzusetzen, um ganz persönlich – beruflich wie privat – hinzuzugewinnen.

Testen Sie Ihr persönliches Charisma-Potenzial:

  • Haben Sie klare Zielsetzungen? Charismatiker wissen, was sie wollen, sind realistisch bei ihren Zielsetzungen, zugleich ambitioniert und realistisch und lassen sich auch von Rückschlägen nicht beirren.
  • Sind Sie verbindlich in Ihrem Auftreten? Eine wohltuende Gradlinigkeit gehört einfach dazu – diese ist übrigens keineswegs mit übertriebener Verbissenheit zu verwechseln, die sicher nicht zur Optimierung der eigenen Ausstrahlung beiträgt.
  • Können Sie sich (und andere) begeistern? Nur wenig hat eine ähnlich charismatische Wirkung wie wahre Leidenschaft und ehrlicher Enthusiasmus, die auch andere mitreißen, anspornen und zu Leistungen motivieren.
  • Sind Sie in der Lage, die Initiative zu ergreifen? Charismatische Menschen sind entschlussfreudig und lösungsorientiert, sie sehen nicht untätig zu, sondern nehmen die Sache selbst in die Hand. Statt dabei um den heißen Brei herumzulavieren, gehen sie ehrlich und direkt auf das anvisierte Ziel zu.
  • Berücksichtigen Sie die Perspektiven anderer für das eigene Handeln? Die Bereitschaft, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und deren Perspektive zu verstehen, stärkt die eigene Präsenz, während ein Mangel an Einfühlungsvermögen immer zulasten der eigenen Ausstrahlung geht.
  • Haben Sie Ihren eigenen Stil? Charismatische Menschen sind alles andere als opportun und passen sich nicht um jeden Preis an. Sie wissen um ihre Stärken und Schwächen, bekennen sich zu ihren Ecken und Kanten und können ihre Stärken ohne falsche Bescheidenheit einsetzen.
  • Finden Sie auch in heiklen Situationen die richtigen Worte? Wer nicht an andere vorbeiredet, sondern in einer verständlichen, überzeugenden und der Situation angemessenen Sprache redet, erreicht damit nicht nur die eigenen Ziele, sondern auch die Herzen seiner Zuhörer. Schon deshalb kann die Bedeutung der eigenen (übrigens auch nonverbalen) Sprache für die persönliche Ausstrahlung gar nicht überschätzt werden.
  • Sind Sie authentisch? Die Frage nach der Authentizität ist die vielleicht wichtigste, wenn es um Charisma geht. Wer in eine bestimmte Rolle schlüpft, die von der eigenen Persönlichkeit abweicht, verspielt damit das Vertrauen und jede Glaubwürdigkeit, zudem wirkt ein solcher Versuch schnell aufgesetzt – und schon ist jede charismatische Ausstrahlung dahin …

Gewiss, Charisma wird immer auch ein wenig geheimnisvoll bleiben, ist diese besondere Art der Ausstrahlung letztlich nicht allein die Summe einzelner Attribute und Fähigkeiten. Doch wenn Sie nun nicht gerade alle Fragen mit einem glatten Nein beantwortet haben, können Sie sicher sein, dass auch Sie eine starke charismatische Wirkung entfalten können. Charisma ist eben auch eine Sache der Einstellung und des Wollens. Beginnen Sie bei den Punkten, bei denen Sie ein Manko festgestellt haben, und versuchen Sie hier, Ihr Potenzial ans Tageslicht zu holen und gegebenenfalls Veränderungen einzuleiten: Denn in allen genannten Punkten bringt ein Training rasche Fortschritte. Vergessen Sie dabei nicht, Ihre bereits vorhandenen Stärken (die mit Ja beantworteten Fragen) als Ausgangspunkt und stabile Grundlage zu nutzen.

© Stéphane Etrillard, 2010

Buchtipp: die Neuerscheinung von Stéphane Etrillard

Stéphane Etrillard
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Lothar J. Seiwert über das neue Buch von Stéphane Etrillard

„Wer bisher dachte, man könne sich selbst nicht zum Charismatiker entwickeln, den wird dieses Buch positiv überraschen – und vom Gegenteil überzeugen.“

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Über Stéphane Etrillard

Stéphane Etrillard

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Stéphane Etrillard zählt zu den Top-Wirtschaftstrainern und Coaches. Er gilt als führender europäischer Experte zum Thema „persönliche Souveränität“.
Bei Entscheidern und Führungskräften ist er als Ratgeber und „Trainer der neuen Generation“ gesucht und bekannt. Als Coach und Autor genießt er einen hervorragenden Ruf. Mit seinen offenen Seminaren im Bereich Rhetorik und Dialektik sowie Selbst-PR verhilft er seinen Teilnehmern zu mehr Souveränität in allen Lebenslagen.

Stéphane Etrillard vermittelt Kompetenz aus der Praxis für die Praxis. Sein bewährtes Know-how ist in den letzten 10 Jahren in der Beobachtung und Begleitung von mehreren Tausend Führungskräften und Verkäufern aus unterschiedlichsten Branchen entstanden. Coachings und Seminare führte er bis jetzt in Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Frankreich, Italien, Ungarn sowie in Russland durch. Zu seinen Privatklienten zählen Manager aus Top-Unternehmen, mittelständische Unternehmer und Politiker sowie viele Menschen, die sich bei ihm neue Impulse holen, um ihre Kommunikation zielführender zu gestalten. Durch zahlreiche Vorträge und Publikationen ist er einem breiten Publikum bekannt geworden.

Er ist Autor von über 30 Büchern und Audio-Coaching-Programmen, die zu den Business-Topsellern zählen.

Stéphane Etrillard zählt das Who’s Who europäischer Unternehmen zu seinen Kunden. Das Spektrum seiner Kunden erstreckt sich von innovativen Mittelständlern über DAX-Unternehmen bis zu global agierenden Konzernen. Bei den führenden Seminar- und Kongressveranstaltern zählt er zu den gefragtesten Referenten. In Zusammenarbeit mit Führungskräfte-Akademien und Seminarveranstaltern hat er Fach- und Führungskräfte von fast allen DAX-Unternehmen geschult.

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Stéphane Etrillard

Stéphane Etrillard

 

Ob Facebook, die VZ-Netzwerke, Wer-kennt-wen, YouTube oder auch Twitter: Soziale Netzwerke und Internetplattformen erleben einen Boom größeren Ausmaßes. Waren solche Netzwerke vor einigen Jahren vor allem den jüngeren Nutzern und eingefleischten Internet-Nerds vorbehalten, sind sie heute längst zum Massenphänomen geworden. Dementsprechend hat sich nicht nur die Zahl der Nutzer vergrößert, sondern insbesondere auch die Spannbreite derjenigen, die solche Netzwerke privat und zunehmend auch zu Marketingzwecken einsetzen. Die Netzwerke und Plattformen rücken immer stärker in den Fokus der Werbetreibenden und Marketingstrategen und eröffnen dabei viele neue Möglichkeiten – die jedoch zu selten oder wenig effektiv genutzt werden.

von Stéphane Etrillard

Der Ansturm auf die sozialen Netzwerke und Internetplattformen hat auch Folgen für das Marketing

Dass soziale Netzwerke inzwischen zu einer festen Größe geworden sind und Millionen Nutzer erreichen, hat konkrete Auswirkungen auf das Marketing und auf die Kommunikation. Viele Marketingverantwortliche begehen jedoch den Fehler, die neuen Kanäle entweder gar nicht oder auf zu traditionelle Weise zu nutzen. Denn viele Strategen haben die Plattformen als Marketinginstrument zunächst nicht ernst genommen, kennen sich nun entsprechend wenig mit ihren Besonderheiten aus und greifen schließlich zu wenig effektiven Mitteln, um ihre Botschaften zu platzieren.

Zwar sind sich heute alle einig, dass die neuen Medien immer stärker an Bedeutung gewinnen und somit als Marketinginstrument nicht unbeachtet bleiben können, doch ist es längst nicht damit getan, die klassische Werbung eins zu eins ins Internet zu verlagern. Vergessen wird, dass Werbemaßnahmen auch im Internet nur dann greifen, wenn sie die Nutzerbedürfnisse widerspiegeln, maßgeschneidert zur Zielgruppe passen und die Produktvorteile glaubwürdig kommunizieren. Wichtig ist zudem eines: Alle neuen Medien dienen dem Nutzer als Erstes zur Kommunikation. Und einseitige Werbeaussagen wie auf einer traditionellen Plakatwand bieten hier wenig bis keine Anreize, die Botschaften aufzugreifen, über sie zu diskutieren und an andere zu vermitteln. Derartige Werbung wird – wenn überhaupt – als lästige Übel wahrgenommen und schließlich nicht weiter beachtet.

Das Potenzial, das die neuen Medien bieten, wird damit längst nicht ausgeschöpft. Denn dafür ist es notwendig herauszufinden, wie eine Nutzergruppe – die Community – tatsächlich denkt, welche Themen sie interessiert und was sie überhaupt von einem bestimmten Produkt erwartet. Gelingt es dabei, den Nerv der Nutzer zu treffen und mit ihnen in einen Dialog zu treten, verbreiten sich die Botschaften in ungeahnter Geschwindigkeit, und zwar mithilfe von Multiplikatoren.

Die Multiplikatoren im Internet sind diejenigen, die aktiv am Geschehen in den Netzwerken und auf den Plattformen teilnehmen, dabei auch eigene Inhalte beisteuern und andere mobilisieren. Tatsächlich werden die Netzwerke und Plattformen zwar von Millionen Menschen genutzt – doch meist nur passiv. Nur wenige Prozent der Nutzer sind aktiv am Geschehen beteiligt und auch in der Lage, andere zu beeinflussen. Wem es gelingt, diese Multiplikatoren für die eigenen Ziele zu gewinnen, wird über diese Schnittstellen ein sehr breites Publikum ansprechen. Und eine Botschaft, die nicht mehr vom Anbieter eines Produktes, sondern über einen User selbst verbreitet wird, ist selbstverständlich weitaus glaubwürdiger und damit wesentlich effektiver als eine auf herkömmliche Weise platzierte Werbebotschaft.

Doch genauso wie in der Realität sind auch Produkte oder Unternehmen, die im Internet viel diskutiert werden, dem Risiko ausgesetzt, von den Nutzern in ein schlechtes Licht gerückt zu werden. Deshalb kann die Verbreitung der Botschaften nicht sich selbst überlassen werden, damit im Fall des Falles eine schnelle Reaktion möglich ist und negative Kampagnen schon im Ansatz vermieden werden.

Für das Marketing sind die neuen Medien bereits unverzichtbar geworden. Wer von den vielen Vorteilen – wie zum Beispiel den geringen Kosten, der weiten und schnellen Verbreitung sowie der hohen Glaubwürdigkeit – profitieren will, muss sich ernsthaft mit den jeweiligen Medien und den individuellen Usern beschäftigen, die geeigneten Kommunikationswege finden und das Geschehen ständig im Auge behalten. In aller Kürze lässt sich das auf einen Nenner bringen:

Zeigen Sie Präsenz, arbeiten Sie mit der Internetgemeinde zusammen und entwickeln Sie Ihre eigene Strategie für das Marketing in den neuen Medien.

© Stéphane Etrillard, 2010 www.etrillard.com

 

The Power of Social Media

The Power of Social Media

 


Social Media ist keine neue Mode mehr, sondern inzwischen ein gewaltiges Phänomen. Inzwischen gibt es in Deutschland 38 Mio. Menschen, die einem sozialen Netzwerk im Internet angehören. Wer Neukunden gewinnen will und seine Bestandskunden sichern will, muss sich mit diesem Thema auseinandersetzen. Zielgruppen-Besitz ist das Kapital des 21. Jahrhunderts!

Immer mehr Firmen erkennen den Nutzen, der Ihnen Social Media bietet. Noch nie war es so einfach, so schnell und so kostengünstig neue Zielgruppen zu gewinnen. Auch das Marketing verlagert sich immer mehr in diese Netzwerke.

Man muss nur wissen wie!

Die DVD – The Power of Social Media zeigt genau auf, wie Sie sich diese grossen Netzwerke zu Nutze machen und sehr effizient neue Zielgruppen für sich und Ihr Unternehmen gewinnen.

DVD Inhalte:

  • XING – Akquisition 2.0 + Recruiting 2.0 (Akquisition von Entscheidern)
  • Facebook – Power (Unternehmensseiten + Aufbau)
  • Twitter – Maschine (Vollautomatisch Twittern)
  • Blog – Kommunikation (kostenlose Leads generieren)
  • Virale Vernetzung (Vernetzung der Plattformen)
  • Tipps und Tricks vom Profi (Gratis-Webseiten und innovative Tools)
  • Web-Videos – Der nächste grosse Trend im Internet
  • Power-Marketing im Internet (Lernen von führenden Internet-Marketern)

Es ist das wohl umfangreichste Werk über Social Media in Deutschland mit 5 Std. Video-Kursen zum 1:1 umsetzen.

Die gleichen Informationen kosten Sie bei einer Marketing-Agentur 10.000 € und mehr!

Wie Sie wissen, bin ich selbst seit über einem Jahr stark engagiert im Social Media Bereich. Letzten Monat stand ich sogar auf Platz 2 im Ranking der im Social Web aktivsten Trainer und Speaker (Umfrage der Marketing-Börse).

Ich hätte mir vor einem Jahr wirklich gewünscht, diese DVDs The Power of Social Media zu besitzen. Das hätte mir sehr viel Lehrgeld erspart und vor allem Stunden von mühsamem Experimentieren.

Schauen Sie sich HIER den Video-Trailer und nähere Infos an

Nach diesen DVDs von Marcel Schlee, wissen Sie mehr als 99% aller Social Media Teilnehmer.

 

Marcel Schlee

Marcel Schlee

 

Marcel Schlee ist seit 10 Jahren selbstständiger Unternehmer und führt seit 8 Jahren Seminare und Vorträge durch. Er wurde darauf aufmerksam, dass sich immer mehr Zielgruppen im Internet / Social Media befinden. Heute verfügt er über ein Kontaktnetzwerk von 40.000 Menschen in Social Media und Internet. Hierfür hat er gerade mal 7 Monate gebraucht. Heute ist er Vertriebscoach 2.0 für Menschen, die Ihr Business auf eine neue Ebene bringen wollen.

Ich habe in den letzten Tagen mit Marcel Schlee gesprochen und habe eine gute Nachricht:

Alle meine Social Media Kontakte erhalten von ihm auf die DVD einen Rabatt von sage und schreibe 50 Euro.

Geben Sie einfach bei der Bestellseite unten als Gutscheincode: Etrillard ein und erhalten Sie Ihren Preisvorteil von 50 Euro.

 

The Power of Social Media

The Power of Social Media

 

Bestellen Sie HIER die 5stündige DVD The Power of Social Media

Gutscheincode: Etrillard

Tauche Sie ein, in die Welt von Social Media. Viel Spaß beim Entdecken der vielen Möglichkeiten, die Social Media anbietet.

Ihr

Stéphane Etrillard

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Ein Manko, das vielen Führungskräften bei der täglichen Arbeit und auf ihrer persönlichen Erfolgsroute zu schaffen macht, ist nicht etwa eine mangelnde fachliche Qualifikation. Vielmehr ist es ein ungeschicktes persönliches Auftreten, das spätestens in schwierigeren zwischenmenschlichen Situationen zur Belastung wird. Wem die nötige Souveränität im Kontakt und im Dialog mit Kunden, Kollegen und Mitarbeitern fehlt, wird an diesen Stellen kaum eine positive Wirkung erzielen. Die Folgen sind geringe Akzeptanz, fehlendes Durchsetzungsvermögen und wenig Anerkennung bis hin zur Unbeliebtheit – und alarmierende Umfrageergebnisse: Neun von zehn deutschen Arbeitnehmern fühlen sich laut einer Gallup-Umfrage emotional mit ihrer Firma nicht verbunden, sieben von zehn beklagen, am Arbeitsplatz „nicht als Mensch“ behandelt zu werden.

von Stéphane Etrillard, www.etrillard.com

Stéphane Etrillard
Stéphane Etrillard

Dementsprechend hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass der berufliche und somit auch der wirtschaftliche Erfolg in höchstem Maße von der Persönlichkeit beeinflusst wird. Und das gilt insbesondere für Führungskräfte, die schließlich im Fokus der Aufmerksamkeit stehen. Selbst kleinere Unachtsamkeiten können hier unerwünschte Kettenreaktionen auslösen. Damit entscheiden heute längst nicht mehr nur die fachlichen Fähigkeiten und Qualifikationen über das berufliche Vorwärtskommen. Die Wirkung der eigenen Persönlichkeit, der souveräne Auftritt und der gekonnte Umgang mit heiklen zwischenmenschlichen Situationen sind von gleich hoher Bedeutung. – Nur wird diesen Faktoren noch immer zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Viele Führungskräfte sind sich ihrer persönlichen Wirkung oft nicht einmal bewusst. Und wer seine Wirkung auf seine Mitarbeiter nicht einschätzen kann, wird auch nicht in der Lage sein, das interne Geschehen im eigenen Sinne zu beeinflussen und unter Kontrolle zu behalten.

Souveräne Führungskräfte arbeiten mit Herz und Verstand

Ihre Mitarbeiter sind das Kapital Ihres Unternehmens. Sie steigern die Leistungsfähigkeit Ihres Unternehmens, indem sie ihr Wissen, ihre Ideen, ihre Fähigkeiten und ihr Engagement in das Unternehmen einbringen. Die wohl wichtigste Aufgabe der Führungskraft ist es daher, mit den Mitarbeitern langfristige, tragfähige und vertrauensvolle Beziehungen aufzubauen. Doch das geschieht nicht von selbst, sondern erfordert Ihrerseits bestimmte Kompetenzen. Sie müssen nicht nur in der Lage sein, die besten Mitarbeiter zu finden, sondern wollen diese auch möglichst dauerhaft an das Unternehmen binden. Ihre sozialen und emotionalen Fähigkeiten erhalten damit einen extrem hohen Stellenwert. Als Führungskraft legen Sie die Grundlage für den unternehmerischen Erfolg, an dem auch Sie selbst gemessen werden, indem Sie die Bedürfnisse Ihrer Mitarbeiter kennen, ihnen Werte und Perspektiven vermitteln, Sinn stiften und individuelle Entfaltungsmöglichkeiten bieten.

Daraus ergeben sich direkte Konsequenzen für Ihre Führungsarbeit. Sie halten zwar einerseits das Ruder in der Hand, andererseits ist nicht zu vergessen, dass die Leistungen Ihrer Mitarbeiter maßgeblich über Ihren persönlichen Erfolg als Führungskraft mitentscheiden. Wenn Sie als Führungskraft akzeptiert und respektiert werden und auf kooperative und engagierte Mitarbeiter zählen können, steigen Ihre Erfolgschancen erheblich. Fehlt es Ihnen jedoch an Anerkennung, werden auch die Leistungen der Mitarbeiter nachlassen, was wiederum Ihrer Reputation schadet und ein weiteres Vorwärtskommen verhindert. Daher ist es unerlässlich, dass Sie Ihre Mitarbeiter und deren persönlichen Ziele kennen, dass Sie verstehen, was Ihre Mitarbeiter antreibt, und in angemessener Weise individuell auf sie eingehen können. Das erfordert vor allen Dingen ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen.

Gerade mit dem Einfühlungsvermögen ist es bei den Führungskräften so eine Sache. Das Einfühlungsvermögen – auch Empathie genannt – ist eine Fähigkeit, über die zwar jeder Mensch verfügt, die aber leider viel zu selten bewusst und gezielt zum Einsatz kommt. Dabei lassen sich mithilfe der Empathie gerade Kommunikationsstörungen und damit überflüssige Konflikte oder Missverständnisse vermeiden. Die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, gilt sogar als unverzichtbarer Baustein des menschlichen Zusammenlebens. Erst durch die Möglichkeit des Perspektivenwechsels können wir die Tragweite des eigenen Handelns folgerichtig abschätzen und damit Konsequenzen einschätzen. Empathie wird so zum entscheidenden Faktor, wenn es darum geht, vorausschauend zu agieren. Eine gute Führungsarbeit ohne Einfühlungsvermögen ist damit schlichtweg nicht möglich.

Der Begriff meint die Fähigkeit und gleichzeitige Bereitschaft, sich in die Gedankenwelt und das Empfinden anderer Menschen einzufühlen. Obwohl Empathie nun eine ganz natürliche Gabe ist, verstehen es nur wenige Menschen, sie als festen und notwendigen Bestandteil insbesondere auch der Kommunikation im Unternehmen zu betrachten. Das liegt weniger an der unterschiedlichen Ausprägung dieser Fähigkeit bei den verschiedenen Menschen, sondern weitaus eher daran, dass es zuweilen einzig am Willen mangelt, sich in andere hineinzuversetzen. So manche Führungskraft glaubt womöglich noch immer, sich mit derartigem Hokuspokus nicht abgeben zu müssen. Die Realität zeigt jedoch, dass eine moderne Führungskraft geradezu darauf angewiesen ist, die Emotionen der Mitarbeiter zu erkennen – wenn sie denn nicht emotional blind und damit wirkungslos agieren möchte.

Gerade Führungskräften geht es oft so, dass sie vor allem auf ihre alleinige Betrachtungsweise der Dinge fixiert sind. Dabei wird schlichtweg vergessen, dass nahezu jedes Handeln und jede Kommunikation an Wert verliert, wenn nur von einer einzigen isolierten Perspektive ausgegangen wird. Sobald wir mit anderen in Beziehung treten, kommen wir nicht umhin, ganz explizit auf das Gegenüber einzugehen, da wir uns andernfalls selbst die Möglichkeit der gezielten Einflussnahme nehmen.

Die innere Einstellung auf den Gesprächspartner wird oft direkt durch mehrere zur Gewohnheit gewordene Verhaltensweisen verhindert. Viele Gespräche werden bereits unter bestimmten Vorzeichen begonnen, ohne dass zuvor viele Worte gewechselt wurden: Unsere Meinung zu einem Thema oder einer Sache steht meist mehr oder weniger fest. Folglich ist es nicht ganz einfach, den Drang zu (Vor-)Urteilen völlig abzulegen. Gerade dieser Filter der eigenen Erfahrungen und Ansichten behindert eine unvoreingenommene Wahrnehmung der gegebenen Situation. Wir sind es gewohnt, nach bekannten Mustern zu suchen, finden sie auch fast immer und können dann nach herkömmlichem Schema reagieren. Dieses Problem wird gerade in schwierigen Situationen und Gesprächen nochmals verstärkt. In heiklen Momenten sehen wir uns mit der Neigung konfrontiert, möglichst schnell zu reagieren. Wir wollen uns rasch eine Meinung bilden (oder auf eine bereits bestehende zurückgreifen) und meinen, am besten sofort eine Antwort oder Stellungnahme parat haben zu müssen. Das geht dann zulasten des Einfühlungsvermögens. Bedingt durch den dominierenden Antrieb, schnell mit einer Meinung und irgendeiner Reaktion aufwarten zu müssen, versäumen wir es, uns in die ganz spezifische Situation des Gesprächspartners hineinzuversetzen. Anstatt nun genau hinzuhören und auch einen Blick hinter das Gesagte, nämlich auf das tatsächlich Gemeinte, zu werfen, geben wir uns mit den Vordergründigkeiten zufrieden.

Theoretisch ist jeder Mensch dazu in der Lage, seine Umwelt mit dem emotionalen und wahrnehmenden Blick einer anderen Person zu betrachten. Das scheitert oftmals allein daran, dass wir es nicht verstehen, uns in den entscheidenden Momenten eines Gesprächs selbst zurückzunehmen und uns von vorgefassten Meinungen, die nicht selten echte Vorurteile sind, zu trennen.

Eines der vornehmlichsten Ziele der Kommunikation – zumal im Unternehmen – ist das gegenseitige Verstehen. Mittels praktizierter Empathie lässt sich jede Verständigung effektiver und reibungsloser gestalten, weil wir viel schneller auf das Wesentliche einer Sache kommen können, ohne uns in Missverständnissen, Fehlinterpretationen und Nebensächlichkeiten zu verlieren. Wer sich in sein Gegenüber hineinversetzt, wird seine Gedanken besser nachvollziehen und die Person selbst (und nicht nur ihre Worte) verstehen können. Kurz: Wenn Sie als Führungskraft Ihr Einfühlungsvermögen bewusst einsetzen, agieren Sie schlicht und einfach effizienter und werden zugleich als souveräne Persönlichkeit wahrgenommen.

Wie Sie das Vertrauen und den Respekt Ihrer Mitarbeiter gewinnen

Für eine effiziente und insgesamt reibungslose Zusammenarbeit ist es für Führungskräfte zudem erforderlich, als glaubwürdig wahrgenommen zu werden und das Vertrauen der Mitarbeiter zu gewinnen – und zu erhalten. Wie jeder weiß, kann auch ein Lügner nur dann erfolgreich täuschen, wenn er im Normalfall die Wahrheit spricht. Ansonsten wäre auch die Lüge nutzlos, keiner würde sie ihm abkaufen. Aber gerade bei der Ehrlichkeit in der Unternehmenskommunikation hapert es oft gewaltig. Versuchen Sie doch einmal, einen Tag lang Ihren Mitarbeiten und Kunden gegenüber gänzlich aufrichtig zu sein. Vielleicht genügt es für weniger Mutige zum Anfang auch, wenigsten die Lügen und Halbwahrheiten zu zählen.

Als Goethe seine Autobiografie veröffentlichte, nannte er sie weitsichtig „Dichtung und Wahrheit“. Damit zeigte er ein hohes Maß an Selbstreflexion. Er wusste, wenn der Mensch über sich selbst und von den Dingen spricht, die ihm wichtig sind, neigt er dazu, zu verschleiern, schön zu färben – schlichtweg zu lügen. Ein Sachverhalt, der sich im Unternehmen kaum anders verhält: Wichtige Entscheidungen (die selten ohne Konsequenzen für die Mitarbeiter bleiben) sowie Veränderungen und ihre Ursachen werden im Rahmen einer restriktiven Informationspolitik nur rudimentär kommuniziert, Probleme werden vertuscht oder beschönigt.

Solche Methoden der Unternehmenskommunikation sind zwar veraltet, jedoch noch immer weit verbreitet. Sie zeigen dabei ganz offenkundig einen Mangel an Vertrauen und auch an Wertschätzung: Werden die Mitarbeiter nicht, widerwillig oder falsch informiert, heißt dies nichts anderes, als dass ihnen kein Vertrauen entgegengebracht wird, dass sie es nicht wert sind, umfassend informiert zu werden. Zugleich wird von den Mitarbeitern Motivation und hohe Leistungsbereitschaft erwartet. – Wofür? Niemand wird sich gern für ein Unternehmen richtig ins Zeug legen, dessen Führungsriege ihm kein Vertrauen entgegenbringt und es nicht für notwendig hält, elementare Informationen zu kommunizieren.

Ihre Mitarbeiter wollen auf dem neuesten Stand sein. Ein informierter Mitarbeiter ist zu erheblich mehr Leistung bereit als einer, der nur ein sprichwörtliches Rädchen im Getriebe ist. Das gilt insbesondere für stürmische Zeiten. Nur wer über bestehende Schwierigkeiten und ihre möglichen Folgen Bescheid weiß, kann seinen Teil dazu beitragen, diesen auch entgegenzuwirken. – Zugleich, was oft vergessen wird, ist ein Unternehmen wie ein kleines Dorf: Gerüchte sprechen sich schnell herum. Aus einer nicht ganz der Wahrheit entsprechenden, für die Ohren der Mitarbeiter bestimmten Information wird schnell ein mit den schlimmsten Befürchtungen gewürztes Konstrukt, das – oft verfälscht oder dramatisiert – nach unten durchsickert, für Spannungen sorgt und so letztendlich den Unternehmenszielen schaden kann. – Ein Unternehmen ist gewiss nicht der richtige Ort, um „Stille Post“ zu spielen!

Gerade in schwierigen Situationen wie bei anstehenden einschneidenden Veränderungen und Neustrukturierungen jeder Art ist es Aufgabe der Führungskräfte, eine transparente Informationspolitik zu betreiben. Ein heikler Moment sind auch erforderlich werdende Entlassungen, vor allem, wenn sie im Unternehmen beliebte oder gleich mehrere Mitarbeiter betreffen. Jetzt kommt es darauf an, dass Sie glaubwürdige Informationen liefern. Nur so können Sie allen Gerüchten Einhalt gebieten, der Verunsicherung entgegenwirken und das Vertrauen in Ihre Person und Ihre Führungsqualitäten stärken.

Halten Sie sich dabei an die folgenden Regeln:

  • Gehen Sie in die Offensive: Wenn Probleme auftreten, sprechen Sie darüber, bevor es andere tun! Scheuen Sie sich dabei nicht, auch eigene Fehleinschätzungen zuzugeben.
  • Vertuschen Sie nichts: Eine unangenehme Situation zu verheimlichen oder zu leugnen, kann nicht gelingen. Letztlich wird doch alles an die Öffentlichkeit gelangen. Mit einem vorausgegangenen Versuch, etwas zu vertuschen, wird auch das letzte Vertrauen und jede Glaubwürdigkeit verspielt. Informieren Sie deshalb richtig, vollständig und so aktuell wie möglich.
  • Beschönigen Sie nichts: Klären Sie umfassend über die Ursachen auf und darüber, warum Sie welche Schritte einleiten. Gestalten Sie Ihr Handeln transparent und nachvollziehbar.
  • Zeigen Sie Verständnis und Mitgefühl für die Sorgen und Ängste Ihrer Mitarbeiter: Wichtig ist hier, nicht distanziert oder desinteressiert zu erscheinen. Ihre persönliche Präsenz ist erforderlich.
  • Gehen Sie auf andere zu: Suchen Sie den persönlichen Kontakt zu den wichtigsten Gesprächs- und Geschäftspartnern, damit diese die Informationen aus erster Hand erhalten.

Selbstverständlich werden auf der Führungsebene eines Unternehmens auch streng vertrauliche Aspekte behandelt, die nur für einen begrenzten Personenkreis bestimmt sind. Doch um diese geht es hier nicht. Gemeint sind Informationen, die die Mitarbeiter tatsächlich angehen (und die auf Dauer ohnehin nicht verschwiegen werden können). Häufig werden solche Informationen aus reiner Konfliktscheu oder einem falschen Harmoniebedürfnis nicht kommuniziert. Eine souveräne Führungskraft geht Konfrontationen nicht aus dem Weg und steht zu ihren Entscheidungen. Dadurch gewinnt sie das Vertrauen der Mitarbeiter ebenso wie ihren Respekt.

Vertrauen bedingt grundsätzlich immer ein hohes Maß an Zuverlässigkeit. Wichtig ist, dass allen Ankündigungen, also Ihren Worten, auch entsprechende Taten folgen. Wer etwas ankündigt oder gar Versprechungen macht, der muss sie auch einhalten. Hierbei geht es nicht nur um verbummelte Besprechungstermine oder Ähnliches, sondern oft auch um diffizilere Angelegenheiten.

Vertrauen bei den Mitarbeitern kann aber auch verspielt werden, wenn diese gar nicht direkt betroffen sind. Mir ist ein kleineres Unternehmen bekannt, wo der Chef unverhohlen damit prahlte, dass er seine Rechnungen grundsätzlich erst nach der ersten Mahnung bezahlt und dann auch noch 2 Prozent Skonto abzieht! – Würde Sie einem solchen Chef vertrauen? Sicher nicht. Auch seine Mitarbeiter müssen hier geradezu zwangsläufig denken, dass dieser Geschäftsführer auch intern keine Gelegenheit ungenutzt lässt, um sie zu übervorteilen. Zumindest werden die Mitarbeiter keinen Respekt vor einer Person haben, die ein derartiges Verhalten an den Tag legt.

Tatsächlich sind die Arten, das Vertrauen der Mitarbeiter zu verspielen – oder zu gewinnen – vielfältig. Ebenso verhält es sich mit Handlungsweisen, die eine (mangelnde) Wertschätzung der Mitarbeiter ausdrücken. Oft sind es schon Kleinigkeiten – Nuancen, die sich manchmal am Rande des eigentlichen Geschehens abspielen –, die eine niveauvolle Unternehmenskultur und damit eine Wertschätzung der Mitarbeiter offenbaren (oder eben nicht …).

Dafür einige Beispiele:

  • Sie stehen im Gang am Kopierer neben der Tür und sehen einen mit Ordnern bepackten Mitarbeiter kommen. Es kostet Sie nichts, ihm kurz die Tür aufzuhalten. Bereits eine solche Bagatelle (mehr noch – ihr Ausbleiben) wird sich Ihr Mitarbeiter merken.
  • Sie führen einen wichtigen Geschäftspartner durch die Firma und zeigen sich dabei selbstverständlich und für alle ersichtlich von Ihrer besten Seite. Kaum ist der Besuch vorbei, geben Sie einem Mitarbeiter eine ruppige Anweisung. Es liegt auf der Hand, dass hier etwas schief läuft: Auch Ihr Mitarbeiter ist ein Geschäftspartner, der nicht nur für Sie, sondern vielmehr mit Ihnen arbeitet.
  • Ein Auftrag muss dringend erledigt werden, mehrere Mitarbeiter legen sich tüchtig ins Zeug und arbeiten bis zum späteren Abend. Wer hier die Gelegenheit auslässt, den Mitarbeitern bspw. Pizzas zu bestellen oder ihnen nach getaner Arbeit mit anerkennenden Worten („Ich bin wirklich froh, dass Sie das noch hinbekommen haben.“) die Hand zu drücken, wird beim nächsten Mal vielleicht nicht wieder auf so viel Einsatzbereitschaft treffen. – Schon ein schlichtes „Danke“ hat hier eine große Wirkung.
  • Weil gerade viel zu tun ist, schleppt sich ein Mitarbeiter trotz seiner Erkältung zur Arbeit. – Hier ist Feinfühligkeit gefragt. Was glauben Sie, wie sehr sich Ihr Mitarbeiter freut, wenn Sie ihm eine Tasse Tee an den Schreibtisch bringen (oder notfalls auch mit den besten Grüßen bringen lassen)? Schließlich hätte er ohne Weiteres auch drei Tage im Bett bleiben können.

Nicht nur bei derartigen „Kleinigkeiten“ werden Fehler gemacht oder, nicht minder ärgerlich, gute Gelegenheiten, den Mitarbeitern Wertschätzung auszudrücken, verpasst. Ein Mangel an Wertschätzung zeigt sich oft gerade auch im größeren Rahmen. Und hier zuweilen in der Annahme, genau das Richtige zu tun:

Viele Unternehmen sind unaufhörlich bestrebt, ihre Mitarbeiter zu motivieren. Darauf ist nicht selten die gesamte interne Kommunikation ausgerichtet. Die Mittel, die für die Motivation der Mitarbeiter verwendet werden, sind dabei oft allzu durchsichtig und wirken mitunter arg gekünstelt – zuweilen sind sie sogar primitiv. Spätestens der von Fastfood-Ketten bekannte „Mitarbeiter des Monats“ sollte nicht zur Nachahmung verleiten. Solche fadenscheinigen Methoden bewirken genau das Gegenteil vom Gewünschten: Die Mitarbeiter geraten unter Druck und der Motivierende ist der niemals endenden Anstrengung ausgesetzt, fortwährend für Nachschub in Sachen Motivation zu sorgen. – Die Mitarbeiter werden unterdessen für dumm verkauft, als könnten sie die aufgesetzten Motivationsmechanismen nicht durchschauen. Zusätzlich wird den Mitarbeitern permanent unterstellt und suggeriert, dass sie eben nicht motiviert sind – ansonsten müssten sie ja schließlich nicht unaufhörlich motiviert werden. Das Motivationsgehabe impliziert zudem einen weiteren Kardinalfehler: Oft wird allein das Kollektiv, nicht aber der einzelne Mitarbeiter, das Individuum angesprochen. Und Generalmaßnahmen haben fast grundsätzlich erhebliche Streuverluste: Was den einen vielleicht noch motivieren mag, wird der andere als Provokation empfinden.

In vielen Firmen hat sich in den letzten Jahren verstärkt eine spezielle Variante eingeschlichen, um die Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden und das Zugehörigkeitsgefühl zu stärken: die Durchführung regelmäßiger Firmenveranstaltungen. Schön und gut. Das Problem ist jedoch, dass eine Teilnahme oft explizit erwartet wird – und das, obwohl solche Festlichkeiten zumeist in den Abendstunden oder an den Wochenenden stattfinden. Wenn die Teilnahme an solchen Veranstaltungen verpflichtend ist, dann handelt es sich um Arbeit – und nicht um Freizeit, wie irrtümlich angenommen. Es hat seinen Grund, dass die Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben möglichst nicht verwischt werden sollten. Die Mitarbeiter brauchen ein klar abgegrenztes Privatleben, zumal dann, wenn sie viele Überstunden ableisten müssen. Mit Pflichtveranstaltungen greift eine Firma unter Umständen in unzulässiger Weise in das Privatleben ihrer Mitarbeiter ein und ruft damit Unbehagen hervor – und eben nicht den erhofften Zusammenhalt.

In etlichen Fällen wird Geld als Allheilmittel eingesetzt. Irrtümlich wird angenommen, dass zugunsten eines hohen Gehaltes auf eine niveauvolle Unternehmenskultur verzichtet werden kann – dass ein Unternehmen sich quasi davon freikaufen kann. „Ich zahle ein überdurchschnittliches Gehalt, dafür kann ich aber auch machen, was ich will!“ Der Kreislauf ist hinlänglich bekannt: Ein guter Mitarbeiter ist unzufrieden und droht mit Kündigung – anstatt die Gründe für seine Unzufriedenheit zu bekämpfen, erhält er eine Gehaltserhöhung. Viele Chefs denken in solchen Fällen „Wie viel wollen Sie?“, nicht aber „Was wollen Sie?“. Tatsächlich sind fast 90 Prozent aller Personalverantwortlichen der Meinung, dass das Geld der maßgebliche Faktor sei, um einen Mitarbeiter an ein Unternehmen zu binden. Irrtum! Ein gutes Gehalt ist zwar jedem Mitarbeiter wichtig – dass man sich im Unternehmen wohl fühlt, ist für die meisten Mitarbeiter jedoch noch bedeutender. Ganz klar steht hier eine gute Unternehmenskultur vor den finanziellen Aspekten. Für kurze Zeit mögen sich die Angestellten mit einem hohen Gehalt zufriedengeben, auf Dauer wird es allein jedoch nicht ausreichen. Sind die Mitarbeiter unzufrieden, entsteht immer eine hohe Personalfluktuation – auch wenn hohe Gehälter gezahlt werden.

Wie Sie Ihre Mitarbeiter motivieren – und wie nicht

Gegenseitiges Vertrauen und die Wertschätzung der Mitarbeiter stärken nicht nur die Kooperation im Team, sie fördern auch ganz unmittelbar die Leistungsbereitschaft. Jede Führungskraft steht dennoch immer wieder vor der Frage, wie sie zur Motivation der Mitarbeiter am besten beitragen kann. Die Antwort fällt klar aus: Schaffen Sie zuerst sämtliche Bedingungen und Faktoren ab, die Ihre Mitarbeiter demotivieren! Das setzt natürlich voraus, dass Sie erkennen, welche Faktoren dies sind. Das eingangs erwähnte Einfühlungsvermögen lässt an dieser Stelle grüßen! Denn natürlich ist es unerlässlich, aufmerksam wahrzunehmen, was unter den Mitarbeitern vor sich geht, welche Stimmung herrscht und welche Verhaltensmuster und Strukturen entstehen.

Sind einzelne oder auch mehrere Mitarbeiter spürbar demotiviert, wird sich die weitsichtige Führungskraft zuerst selbst fragen, welche Rolle sie bei dem Ganzen spielt. Folgende Verhaltensweisen führen zweifellos zur Demotivation Ihrer Mitarbeiter:

  • schlechte Informationspolitik gegenüber den Mitarbeitern
  • Überlegenheit demonstrieren
  • Dominanzverhalten
  • unsachliche und anmaßende Kritik
  • pedantisch auf Kleinigkeiten herumreiten
  • fehlendes Vertrauen in die Mitarbeiter und ihre Fähigkeiten
  • keine oder zu geringe Wertschätzung der erbrachten Leistungen
  • Ausschließen der Mitarbeiter aus Entscheidungsprozessen
  • zu starkes Einschränken der Handlungs- und Entscheidungsspielräume der Mitarbeiter

Im zweiten Schritt können Sie erheblich zur Motivation Ihrer Mitarbeiter beitragen, indem Sie:

  • eine offene, wertschätzende Kommunikation pflegen
  • Verantwortungen übertragen und Ihr Vertrauen in einen Mitarbeiter beweisen
  • auf übertriebene Kontrollen verzichten
  • Anerkennung für gute Leistungen zeigen
  • Interesse an der Weiterbildung und Qualifikation der Mitarbeiter haben
  • nicht auf einmalige Fehler eines Mitarbeiters herumreiten
  • sich ernsthaft mit Fragen und Problemen der Mitarbeiter befassen
  • sich für Belange der Mitarbeiter einsetzen

Wirkliches Vertrauen zwischen zwei Personen ist nur bei gegenseitiger Wertschätzung möglich. Demjenigen, vor dem wir keine Achtung haben, werden wir auch niemals Vertrauen entgegenbringen – und umgekehrt. Die Basis des Vertrauens ist die Sympathie. Nun lässt sich natürlich sagen, dass dieser oder jener einem einfach unsympathisch ist, dass da nichts zu machen ist. Für einige Fälle mag das zutreffen, oft aber scheitert eine gegenseitige Sympathie schlichtweg an unserer eigenen Voreingenommenheit. Oft genügt es, einen gewissen Vorschuss an Vertrauen zu „schenken“ und den Menschen mit Wohlwollen zu begegnen. Daraus resultiert oft eine Wechselwirkung: Der andere findet uns sympathisch, was wir wiederum selbst spüren, wodurch wir unserem Gegenüber weitere Sympathie entgegenbringen. Der Kreis schließt sich, und das Fundament für das gegenseitige Vertrauen ist gelegt. – Wer uns vertraut, fühlt sich als Mensch ernst genommen und verstanden. Und nur wer sich auch verstanden fühlt, ist auch bereit, auf uns zu hören.

Wenn wir jemandem zeigen, dass auf uns Verlass ist, können wir uns meistens auch auf unser Gegenüber verlassen. Wer dagegen bis ins Detail reglementiert und Vorschriften aneinander reiht, zeigt, dass Vertrauen fehlt. Ein an die Kandare genommener Mitarbeiter wird Sie als Vorgesetzten ganz gewiss nicht besonders hoch schätzen. Die Bereitschaft, mehr zu leisten, ist bei solchen Mitarbeitern am größten, die ihre Vorgesetzten achten, die sie sympathisch finden.

Praxistipps: Wodurch souveräne Führungskräfte motivieren

  • Positive Ausstrahlung: Mit Höflichkeit, Offenheit, guter Laune und einem Lächeln werden Sie für Ihre Mitarbeiter sympathisch und wecken ihr Vertrauen. Ein stets grantiger Chef verbreitet eine üble Stimmung, die die Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter vermindert.
  • Aufmerksamkeit: Nur wer seine Antennen ausfährt, kann die Bedürfnisse seiner Mitarbeiter erkennen. Zeigen Sie Anteilnahme, auch für private Belange Ihrer Mitarbeiter. So erkennt der Mitarbeiter, dass Sie ihn als Individuum wahrnehmen und schätzen.
  • Zuverlässigkeit: Ihre Mitarbeiter wollen wissen, woran sie sind, sie wollen einen zuverlässigen und kalkulierbaren Vorgesetzten, auf den Verlass ist. Ohne Zuverlässigkeit ist Vertrauen nicht möglich.
  • Authentizität: Kaschieren Sie nicht Ihre eigenen Fehler. Ein Chef mit kleinen „Macken“ ist immer sympathischer als ein ewig makelloser. Wer ehrlich mit sich selbst ist, dem wird Vertrauen entgegengebracht.
  • Erfolge würdigen: Sie sollten keine Gelegenheit verpassen, besondere Leistungen oder Erfolge der Mitarbeiter entsprechend zu würdigen.
  • Kontrollverhalten: Vermeiden Sie übermäßiges Kontrollverhalten! Ihre Mitarbeiter werden es als Misstrauen interpretieren. Mit einer übersteigerten Kontrolle nehmen Sie auch dem motiviertesten Mitarbeiter die Freude an der Arbeit.
  • Einwände nicht ignorieren, sondern provozieren: Wer Einwände abprallen lässt, zeigt nicht nur eine mangelnde Wertschätzung seiner Mitarbeiter – auch das Fachwissen derselben bleibt ungenutzt. Tatsächlich bietet gerade Kritik eine große Chance für den Erfolg, Missstände und Schwachstellen, die übersehen wurden, werden dadurch aufgedeckt. Nur solche Angestellten, die sich nicht mit ihrem Unternehmen identifizieren, denen es egal ist, arbeiten ohne Widerspruch.
  • Keine Floskeln: Probleme können niemals mit inhaltsleeren Phrasen übertüncht werden. Damit zeigen Sie lediglich eine mangelnde Wertschätzung Ihrer Mitarbeiter, werden aber nicht zu echten Lösungen beitragen.

Darüber hinaus entscheidet der Umgang mit den eigenen Emotionen darüber, inwieweit es Ihnen gelingt, Ihre Mitarbeiter zu motivieren – und auch darüber, wie Sie von Ihren Mitarbeitern wahrgenommen werden. Das gilt insbesondere für hitzige Momente und Phasen, in denen Sie mit Hochdruck arbeiten: Denn genau dann ist es am schwierigsten, die Emotionen unter Kontrolle zu behalten.

Damit Ihnen nicht der Kragen platzt

Emotionen ergeben sich allmählich oder auch spontan aus dem Erleben einer Situation und dem Denken. Wie wir nun mit unseren Emotionen umgehen, hängt nicht allein von unserem Temperament ab, sondern immer auch davon, von welcher Art eine Emotion ist und mit welcher Intensität wir sie erleben.

Gerade heftige Emotionen zeigen sich in vielfältiger Weise:

  • Wir erleben sie innerlich als definierbares Gefühl, das wir auch benennen können (Angst, Ärger, Freude, Trauer);
  • spüren meistens körperliche Reaktionen;
  • zeigen oft dieselben Verhaltensweisen infolge der Emotionen.

Einige Führungskräfte glauben noch immer, dass es am besten sei, möglichst gar keine Emotionen zu zeigen. Abgesehen davon, dass dies ohnehin unmöglich ist, ist diese Annahme auch falsch: Scheuen Sie sich nicht, Gefühle zu zeigen. Gerade souveräne Menschen stehen zu ihren Emotionen. Außerdem wirkt nichts überzeugender als ein Mensch, der neben dem Verstand auch mit dem Herzen bei der Sache ist.

Die Gefühle selbst sind nicht direkt beeinflussbar, lediglich der Umgang mit ihnen: Man kann sie als Bereicherung oder als Störung ansehen; und wir können sie ignorieren und unterdrücken (wenn auch nicht auf Dauer) oder wir können sie offen zeigen. Gerade das Ignorieren von Gefühlen ist höchstens kurzfristig zweckmäßig. – Weil Emotionen immer vorhanden sind, ist es oft vorteilhafter, sie in die eigenen Handlungsweisen zu integrieren. Gerade in Gesprächen und Verhandlungen sind Emotionen ein wichtiger Faktor der Überzeugungsarbeit. Sie machen die Gesprächsinhalte plastisch und lebendig. Emotionslos erscheinende Menschen wirken wenig engagiert und oft irgendwie mechanisch, weshalb sie auch keine beliebten Gesprächspartner sind – sie werden es auch nicht schaffen, ihre Mitarbeiter für etwas zu begeistern. Je stärker wir kraftvolle Emotionen unterdrücken, umso weniger kann die eigene Ausstrahlung wirken, weil sie bewusst gedämpft wird und dadurch einfach unecht anmutet.

Nur wer Emotionen zulässt, kann wirklich authentisch sein.

Natürlich können wir im täglichen Geschehen nicht jede Emotion unmittelbar zeigen, eine affektierte Übersteigerung der eigenen Gefühle kann sogar überaus pathetisch wirken, womit man weit über das Ziel hinaus schießt. Starke Gefühle dagegen müssen sich entladen. Wenn es hierbei um Begeisterung und Freude über eine Sache geht, gibt es zumeist auch keinen Grund, solche positiven Emotionen zu unterdrücken. Der Umgang mit negativen Emotionen ist etwas schwieriger. In einigen heiklen Situationen kommt es immer wieder zu Momenten der Verärgerung, die sich – wenn es sich nicht nur um kurzfristige Augenblicke handelt – in ihren Ausmaßen extrem steigern können. Anfangs reagieren die meisten Menschen noch instinktiv richtig: Sie signalisieren dem Gegenüber mit ihrer Gestik und Mimik ihren Unmut (beispielsweise durch ein Stirnrunzeln oder mit einem forschenden Blick). Ein aufmerksamer Zuhörer weiß solche Signale zu deuten und wird sein Verhalten ändern. Manche Gesprächspartner sind weniger feinfühlig, vielleicht wollen sie uns sogar bewusst reizen oder die Grenzen ausloten.

An solchen Punkten angelangt, kommt man mit dem Unterdrücken der eigenen Verärgerung nicht weiter. Auch verrät die Körpersprache höchstwahrscheinlich, wie es wirklich um uns bestellt ist. Zudem kann sich der entstandene Druck gefährlich aufstauen. Bei Ärger mischt sich dann leicht ein Hauch von Ironie und Überheblichkeit in unsere Worte, wodurch eine ohnehin angespannte Situation schnell eskalieren kann. Und eine plötzliche Explosion mit hochrotem Kopf und sich überschlagender Stimme kann auch nicht der richtige Lösungsweg sein. Solche Ausbrüche sollten wir lieber vermeiden. Grundsätzlich gilt es, die Verärgerung zu versachlichen, sie auf die tatsächlichen Ursachen zurückzuführen und verstärkende Effekte gedanklich zu bremsen.

Das heißt aber auch: Wenn nichts mehr hilft, müssen Sie Dampf ablassen – aber sachlich. Sagen Sie einfach die Wahrheit, machen Sie Ihrem Ärger Luft und zeigen Sie, was Sache ist. Hierfür eignen sich sogenannte emotionale Ich-Botschaften: „Mir macht es zu schaffen, dass …“, „Es ärgert mich, dass …“, „Ich bin an dieser Stelle verärgert, weil …“.

Diese Methode hat direkt mehrere Vorteile: Eine fortwährende negative Emotion wird keinem Gespräch zugute kommen, Sie müssen also eingreifen. Und durch das Aussprechen eigener Gefühle handeln Sie überaus selbstbewusst. Schließlich gehört auch Mut dazu, den Ärger nicht einfach zu schlucken und gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Dieser Aspekt ist auch deshalb bedeutend, weil sich ansonsten im Nachhinein erneute Verärgerung darüber einstellen kann, dass Sie das mit sich haben machen lassen. – Gleichzeitig nehmen Sie Ihrem Gegenüber den Wind aus den Segeln, indem Sie nicht um den heißen Brei herum reden, sondern das Problem ganz konkret benennen. Sie setzen damit klare Grenzen, deren Überschreitung Sie nicht zulassen können. Hiermit demonstrieren Sie obendrein, dass Sie auch in hitzigen Augenblicken souverän agieren können.

Ein guter Tipp für ein souveräneres Auftreten als Führungskraft: Betrachten Sie sich selbst als einen Diplomaten, der in wichtiger Mission unterwegs ist. Was auch immer Sie sagen, bleiben Sie freundlich, auch dann, wenn Ihr Gegenüber Sie verbal unter Beschuss nimmt. Bleiben Sie betont gelassen und vor allem sachlich, um eine mögliche Eskalation zu verhindern. Wenn die Emotionen auf beiden Seiten hochkochen, ist es überaus schwierig, wieder eine gemeinsame Basis und eine Einigung in der Sache zu erreichen. Lassen Sie sich daher nicht provozieren, gehen Sie zugleich mit gutem Beispiel voran: Zeigen Sie, dass Ihnen an einer fairen und niveauvollen Kommunikation gelegen ist. Die meisten Hitzköpfe wird diese Grundhaltung schnell wieder auf den Teppich bringen.

© Stéphane Etrillard, 2010

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Seine Rhetorikseminare bietet Rhetorikcoach Stéphane Etrillard schwerpunktmäßig in Hamburg, Berlin, Leipzig, Dresden, München, Stuttgart, Frankfurt, Düsseldorf und Köln an. Auf Anfrage von Firmenkunden werden die Rhetoriktrainings von Rhetoriktrainer Stéphane Etrillard als Inhouse-Seminare überall angeboten in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen (NRW), Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thüringen.

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Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, woran Sie in Filmen ganz schnell erkennen können, wer der Held ist und wer der üble Widersacher? Oder können Sie sich noch an die alten Edgar-Wallace-Verfilmungen erinnern? Dann denken Sie doch mal an die Stimme von Klaus Kinski… Auf der Stelle ist klar, wer nun der Gute und wer der Böse ist. Der eine hat stets eine klare, melodische Stimme, der andere spricht mit kehliger, brüchiger und egozentrisch klingender Stimme. – Damit werden die Sympathien des Zuschauers nochmals auf den Protagonisten gelenkt.

Stéphane Etrillard

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von Stéphane Etrillard, www.etrillard.com

Tatsächlich kommt es oft gar nicht einmal so sehr darauf an, was gesagt wird, sondern wie etwas gesagt wird. Ärzte mit einer guten (am besten tiefen, beruhigenden) Stimme sollen bekanntlich schneller das Vertrauen der Patienten gewinnen als andere, die ein weniger beeindruckendes Organ haben. Ein und dieselbe Diagnose kann also eine ganz unterschiedliche Wirkung hervorrufen, obgleich sich die Worte selbst kaum unterscheiden.

Mit unserer Stimme senden wir immer auch stark unterschwellige Botschaften aus. Diese können ebenso ein Bild von Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit hervorrufen, wie auch Misstrauen erwecken. Mit der Stimme von Klaus Kinski wäre es wohl sehr schwierig, Verhandlungserfolge zu erzielen. Gesprächspartner mit einer positiven Stimmlage, einem angenehmen Timbre, haben es dagegen de facto leichter, ihre Ziele zu erreichen.

Der Eindruck, den wir mit unserer Stimme hinterlassen, setzt sich aus den Faktoren Sprechgeschwindigkeit, Lautstärke und Klangfarbe zusammen. Auf die beiden ersten Punkte können wir noch am besten einwirken: Ein zu schnelles Sprechen ist ebenso wenig angebracht wie ein sehr langsames. Weil die meisten Menschen jedoch dazu neigen, ihre Sprechgeschwindigkeit im Gespräch stetig zu steigern, ist oft eine Ermahnung zur Reduzierung der Geschwindigkeit notwendig. Bei der Lautstärke verhält es sich oft eher so, dass wir zu leise sprechen, was für unsere Zuhörer bei längeren Gesprächen zu einer echten Zumutung werden kann. Insgesamt sollte die Stimme hinsichtlich aller drei Aspekte immer moduliert werden. D.h. wir müssen darauf achten, nicht darin zu verfallen, eine monotone Litanei herunterzubeten. Ein angebrachter Wechsel der Geschwindigkeit mit unterschiedlichen Lautstärken (je nach Wichtigkeit der Worte) steigert die Aufmerksamkeit unserer Zuhörer.

Die zahlreichen Variationen hinsichtlich der Klangfarbe zeigen, dass es sich bei unserer Stimme um ein komplexes Instrument handelt. Grundsätzlich wirken dauerhaft hohe Tonlagen anstrengend und ermüdend, sowohl für uns Sprecher als auch für unsere Zuhörer. Daher ist es ratsam, die Stimme bewusst tiefer zu regulieren. Aus eben diesem Grund empfiehlt es sich – gerade bei längeren Ansprachen –, zwischendrin ganz bewusst durchzuatmen und eine kleinere „Verschnaufpausen“ einzulegen. Dadurch werden sich angestaute Spannungen lösen, wodurch Ihre Stimme an Dynamik gewinnt und zugleich auch wieder tiefer und voller klingen wird. Solche Atempausen können Sie zusätzlich als kleine Erholungsphase nutzen, die es Ihnen erlaubt, die Gedanken neu zu ordnen, um anschließend mit frischer Kraft fortzufahren.

Ein wichtiger Faktor ist die Betonung unserer Worte. Aus ihr entsteht die Satzmelodie. Betont wird jeweils der wichtigste Teil eines Satzes. Die korrekte Betonung macht ein echtes Verständnis unserer Worte oft erst möglich. Ein Satz wie: „Wie gut Sie heute wieder vorbereitet sind“, kann durch die Betonung entweder überaus sarkastisch wirken oder aber Anerkennung ausdrücken.

Eine deutliche, klare, rhythmische und melodische Stimme mit Höhen und Tiefen findet immer den besten Anklang. Sie können Ihre Stimme durch lautes Lesen schulen, besonders dann, wenn Sie Ihre Stimme dabei aufnehmen. Hierbei entdecken Sie auch Ihre Problembereiche. Das Verschlucken von Endsilben, die Vernachlässigung des R in der Aussprache oder häufige Verlegenheitslaute (Ähm, Öh, Mmmh usw.) und mehrfaches Räuspern sind sehr gängige Störfaktoren, die alle gemeinsam haben, dass wir sie selbst beim Sprechen gar nicht wahrnehmen.

Ganz generell verfügen nur wenige Menschen über eine ausgeprägte Sensibilität hinsichtlich des Klangs der eigenen Stimme. In wichtigen Gesprächen und Verhandlungen werden die gesprochenen Worte meistens recht sorgfältig abgewogen, wie die gesprochenen Worte aber für die Ohren der Zuhörer klingen – darüber sind wir uns oft nur sehr wenig bewusst. Dieser Umstand ist insofern ein echtes Manko, weil der Klang unserer Stimme für unsere gesamte Persönlichkeit steht: Fehlende Überzeugung, Angst, Unsicherheit und Nervosität lassen sich aus der Stimme ebenso schonungslos heraushören wie Souveränität, Entschlossenheit, Engagement und Kompetenz. Damit wird die Stimme zum maßgeblichen Faktor für den Erfolg von Gesprächen und Verhandlungen, mitunter sogar für den beruflichen Erfolg überhaupt.

Dass wir dem Klang der eigenen Stimme so wenig Aufmerksamkeit widmen, ist umso erstaunlicher, wenn man sich vergegenwärtigt, wie sehr wir doch auf den Klang der Worte anderer achten. Allein wenn Sie an Kinofilme denken, wissen Sie, wie schnell entscheidend die (Synchron-)Stimme eines Schauspielers ist, um Sympathien oder aber Antipathien zu ernten. Und vielleicht haben Sie auch schon die Erfahrung gemacht, wie wählerisch Kinder dabei sind, wenn sie etwas vorgelesen bekommen. Kinder sind hier nicht leicht zufrieden zu stellen, die größten Bemühungen und die spannendste Geschichte fruchten nicht, wenn einem Kind die Stimme des Vorlesers nicht passt – es wird quengeln und nörgeln, einer schönen und warmen Stimme jedoch selbst dann gebannt lauschen, wenn es sich um eine etwas fade Erzählung handelt.

Im Berufsleben verhält es sich nicht unbedingt anders. Eine gut modulierte, wohl klingende Stimme weckt Sympathie, findet bessere Zuhörer und macht diese aufgeschlossener für Argumente – eine trainierte Stimme ist immer überzeugender als eine akustische Dissonanz. Darüber hinaus, auch das ist kein zu unterschätzender Faktor, verleiht eine angenehme Stimme dem Redner selbst größere Sicherheit.

Ein Redner, dem die Stimme versagt, wird schnell unsicher und nervös (was sich dann auf die Zuhörer überträgt), während ein Redner, der sich auf seine Stimmkraft verlassen kann, nochmals an Souveränität gewinnt und so eine optimale Wirkung bei den Gesprächspartnern erzielt. – Es gibt keinen Schauspieler, natürlich keinen Sänger und keinen Nachrichten- oder Rundfunksprecher, für den ein professionelles Stimmtraining nicht geradezu obligatorisch ist. Doch ist eine trainierte Stimme auch für viele andere Berufe tatsächlich essentiell. Und hiermit sind nicht nur Vielredner wie Telefonisten, Referenten, Verkäufer und Lehrkräfte gemeint: Wer auch immer im Beruf viel kommunizieren muss und wichtige Gespräche und Verhandlungen zu führen hat, ist ganz selbstverständlich auf seine Stimme angewiesen. Dennoch bleibt „die Stimme unser ungepflegtester Ausdruckskanal“, wie der Stimmexperte Arno Fischbacher unlängst bei einem Stimm-Symposium feststellen musste.

Womit wir auch immer auf unsere Außenwelt wirken, wir achten darauf, wie wir gekleidet sind, ob die Frisur in Ordnung ist, welche Art unser Habitus hat, was wir reden usw. – der Stimme aber – und wie wir sprechen – wird meistens nur sehr wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Vor einem wichtigen Gespräch wird vielleicht noch schnell ein Halsbonbon gelutscht – doch das ist dann auch schon alles, was wir für unsere Stimme tun. Jedenfalls verfügen nur die wenigsten über eine auch nur ansatzweise geschulte und damit optimierte Stimme. In den allermeisten Fällen gibt man sich hier mit dem zufrieden, was man hat. Vergessen wird hierbei, dass unsere Stimme, verglichen mit unserem äußeren Erscheinungsbild, ein mindestens ebenbürtiges Aushängeschild für unsere ganz spezifische Persönlichkeit ist. Und wer würde schon mit zerrissenem Anzug und ungekämmten Haaren in ein wichtiges Gespräch oder zu einer bedeutenden Verhandlung kommen? Unsere Stimme soll einfach nur da sein, wenn wir sie brauchen – wie sie nun genau klingt, darum kümmern wir uns nur wenig.

Der bedeutendste Faktor unserer täglichen Kommunikation ist und bleibt die gesprochene Sprache. Allein damit bekommt die Stimme eine Schlüsselstellung. Weil ein erheblicher Anteil der persönlichen Wirkung von der Stimme abhängt, beeinflusst diese unmittelbar die Wahrnehmung unserer Gesprächspartner. Und natürlich wird jemand, der mit kratzender, verklebter, oder gepresster und wenig modulierter Stimme spricht, bei seinem Gegenüber keine besonders positive Wirkung erzielen. Insbesondere dann nicht, wenn zu einer an sich schon unangenehmen Stimme noch die üblichen Sprechfehler wie das undeutliche, zu laute oder zu leise Sprechen in einer unangemessenen Stimmlage hinzukommen. Mit der Art des Sprechens senden wir in allen Fällen wichtige Signale (auch über uns selbst!) an unsere Gesprächspartner. Dennoch denken wir nur wenig über unsere Stimme nach. Und wenn, dann meistens nur dann, wenn sich aufgrund einer Erkältung oder einer anders gearteten Reizung unserer Stimmbänder bereits ganz offenkundige Probleme eingestellt haben.

Weil die Stimme schon rein anatomisch ein überaus komplexes Organ ist, bei dessen Klangerzeugung faktisch ein sehr differenziertes Zusammenspiel von über 100 Muskeln stattfindet, lässt sich der Weg zu einer positiven Stimme nicht auf eine einfache Formel bringen. Wie kompliziert die reine Klangerzeugung der Stimme ist, beweist ein kurzer Blick auf die Anatomie. Beim Sprechen sind beteiligt: die Nasenhöhle, der Nasenrachen, der Mundrachen, der Kehlkopf, die Luftröhre, das Zwerchfell, die Rippenmuskulatur und weitere Gebiete. Sobald auch nur an einer Stelle eine Störung (bspw. ein kleiner Schnupfen oder, was weniger bekannt ist, eine schlechte Haltung oder auch psychosomatische Spannungszustände) auftritt, wird dies nie ohne Auswirkungen auf die Stimme bleiben. Hinzu kommen noch Aspekte der Ernährung und insbesondere unser Trinkverhalten (Kaffee, schwarzer Tee, Alkohol usw. schaden der Stimme ebenso wie eine insgesamt zu geringe Flüssigkeitszufuhr). Und natürlich haben die Atmung und auch die Beschaffenheit der Luft (Heizungsluft, Abgase, Rauchen) generell großen Einfluss auf den Klang unserer Stimme.

Grundsätzlich soll die Stimme deutlich und nicht zu schnell, weder zu laut noch zu leise und in allen Fällen abwechslungsreich moduliert sein. Wichtig ist dabei auch, immer auf die Bedürfnisse der Zuhörer zu achten. In kleineren Runden kann der Gestik und Mimik der Gesprächspartner abgelesen werden, ob sie noch konzentriert bei der Sache sind – oder ob Sie Ihre Stimme den Bedingungen anpassen sollten, um neue Aufmerksamkeit zu erzielen. So können Sie situationsbedingt entscheiden und die Modulation auf die Gegebenheiten immer wieder neu abstimmen: Sie können stärker akzentuieren oder aber beruhigend einwirken; die Lautstärke anpassen (um auch noch in den hinteren Reihen gehört zu werden) oder Ihre Stimme dämpfen (wenn vertrauliche Dinge behandelt werden, die von anderen nicht gehört werden sollen). Gerade mit geschickt eingesetzten Modulationsformen lässt sich bspw. zielgerichtet eine vertrauensvolle Atmosphäre schaffen. Eine Reparatur, Verbesserung und Optimierung der individuellen Stimme kann jedoch einzig mit einem professionellen Stimmtraining erzielt werden. Am Anfang aller Trainingsprozesse der Stimme steht immer die bewusste Wahrnehmung der eigenen Stimme. Und tatsächlich sprechen nicht wenige Menschen mit einer verzerrten Version ihrer wahren Stimme. Entweder haben sie es nie gelernt, richtig und mühelos zu sprechen oder aber Stress, Überarbeitung und Ängste sorgen dafür, dass die Stimme im Laufe der Zeit eine unvorteilhafte Wandlung vollzieht. So wie sich die rhetorischen Fähigkeiten systematisch trainieren lassen, kann auch die eigene Stimme neu gebildet werden. In jeder Stimme steckt weitaus mehr Substanz und Klangvermögen, als im Augenblick vielleicht zu hören ist. – Letztendlich können mit einer effizienten Stimme erstaunliche Erfolge erzielt werden, wenn diese zum wohlklingenden Instrument wird, mit dem wir unsere rhetorischen Fähigkeiten eindrucksvoll klingen lassen.

Weitere wertvolle Informationen zum Thema Stimme, unter anderem aktuelle wissenschaftlich fundierte Studien und praxisbezogene Tipps finden Sie auf der Plattform

www.stimme.at

© Stéphane Etrillard, 2010 www.etrillard.com

Stéphane Etrillard

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Seine Rhetorikseminare bietet Rhetorikcoach Stéphane Etrillard schwerpunktmäßig in Hamburg, Berlin, Leipzig, Dresden, München, Stuttgart, Frankfurt, Düsseldorf und Köln an. Auf Anfrage von Firmenkunden werden die Rhetoriktrainings von Rhetoriktrainer Stéphane Etrillard als Inhouse-Seminare überall angeboten in  Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen (NRW), Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thüringen.

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